Projekt 'Evaluation der neuen Seminarausbildung (NSA)'
Das KMK-Projekt zur vergleichenden ‚Evaluation des alten und neuen Vorbereitungsdienstes für die Laufbahn des höheren Schuldienstes an allgemein bildenden Gymnasien und beruflichen Schulen’ war ein Novum nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland, weil es bislang kaum empirisch gestützte Evaluationen beziehungsweise empirische Forschungsarbeiten zur Lehrerbildung, auch nicht zu Teilen der Lehrerbildung, gab.
Diese Studie wurde von 2003 bis 2007 im Auftrag der Kultusministerkonferenz unter Federführung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport gemeinsam mit den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart und Weingarten und dem Landesinstitut für Schulentwicklung an 7 Seminaren für Lehrerbildung und Didaktik sowie an rund 50 ausgewählten Schulen durchgeführt.
Es ging hierbei um den Vergleich des bisherigen 24-monatigen Vorbereitungsdienstes mit dem neuen 18-monatigen Vorbereitungsdienst. Die wesentliche Neuerung: dem 18-monatigen Vorbereitungsdienst geht während des universitären Lehramtsstudiums ein Schulpraxissemester voraus, das heißt die Lehramtsstudierenden müssen während ihres Studiums (meist zwischen dem vierten und fünften Semester) an den baden-württembergischen Universitäten ein Schulpraxissemester in ausgewählten Schulen und an den Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung absolvieren.
Ausgangspunkt für das Forschungsvorhaben war die Fragestellung, wie die bisherige und die neue Referendariatsausbildung jeweils und im Vergleich eingeschätzt werden, und welche Effizienz die alte bzw. neue Ausbildungsform im Hinblick auf die spätere erfolgreiche und zufrieden stellende Berufsausübung als Lehrerinnen und Lehrer an allgemein bildenden Gymnasien und beruflichen Schulen in Baden-Württemberg hat. Die Forschung berücksichtigte dabei mehrere Quellen und bestand aus einer geschlossenen und offenen Befragung am Anfang und Ende des jeweiligen Vorbereitungsdienstes. Mit Hilfe dieser quantitativen und qualitativen Erhebungen wurde eine systematische Erfassung der Sichtweisen aus der Perspektive aller Betroffenen realisiert: der Referendarinnen und Referendare, der Dozentinnen und Dozenten an den Seminaren (Fachleiterinnen und Fachleiter) sowie der Mentorinnen und Mentoren an den einzelnen Schulen.
Zusammengefasst hat die Studie folgende Ergebnisse erbracht: Aus Sicht der Referendarinnen und Referendare unterscheiden sich die Kompetenzwerte in den verschiedenen Bereichen am Ende des alten und verkürzten Vorbereitungsdienstes nicht wesentlich voneinander. Durch das vorgelagerte Praxissemester sind jedoch die Kompetenzniveaus zu Beginn des verkürzten Vorbereitungsdienstes in den meisten Bereichen höher.
Aus Sicht der betreuenden Mentorinnen und Mentoren an den Ausbildungsschulen stehen am Ende der beiden Ausbildungsgänge vergleichbare Kompetenzzuwächse und Kompetenzniveaus. Anders sehen das die Fachleiterinnen und Fachleiter an den Seminaren, die im verkürzten Vorbereitungsdienst geringere Kompetenzzuwächse wahrgenommen haben.
