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Telelearning im virtuellen Klassenzimmer

Barbara Meinecke, Kaufmännische Schule I Stuttgart

  

2.6 Telelearning im virtuellen Klassenzimmer

Ein Schulversuch des Kaufmännischen Schulzentrums Böblingen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom AG


Die Deutsche Telekom AG hat sich dafür entschieden, ihre Industriekaufleute multimedial auszubilden. Grund dafür sind zwei Überlegungen: einmal die Tatsache, dass nur wenige Auszubildende pro Niederlassung eingestellt werden und daher der Einzugsbereich zur nächsten Berufsschule sehr groß ist, zum anderen, weil multimediales Lernen Ziele verfolgt, die der Konzeption der beruflichen Ausbildung bei der Telekom mehr entsprechen als herkömmliche Lernformen.

Als Ziele werden genannt:

  1. Telelernen folgt dem „Modell der vollständigen Handlung".
  2. Telelernen wird den „differenzierten Anforderungen in den Ausbildungsberufen des Unternehmens gerecht".
  3. Telelernen ersetzt nicht die bisherigen Lernformen, sondern ergänzt sie sinnvoll.
  4. Telelernen ermöglicht bereits während der Ausbildung die Nutzung der Anwendungen, die die Telekom vermarktet

So formuliert Frau Annemarie Dengler, Bezirksausbilderin der DTAG, die Ziele des Projekts.

Die Gesamtlehrerkonferenz des Kaufmännischen Schulzentrums sieht dieses Vorhaben als „Chance, das Profil einer Schule wesentlich zu bereichern" (Schulleiter Hans Leitzinger), und stimmt der multimedialen Kooperation zu.

Das Kultusministerium begrüßt diese Initiative.

Wie funktioniert das „virtuelle Klassenzimmer"?

Zunächst einmal gehen die Auszubildenden nicht mehr in die Berufsschule, sondern die Berufsschule kommt zu ihnen, und zwar an ihre Ausbildungsplätze in der jeweiligen Telekom-Niederlassung.

Technisch gesehen stellt die Telekom der Schule die Rahmenbedingungen zur Verfügung, damit der Kontakt zwischen den dualen Partnern über die räumliche Distanz hinweg stattfinden kann. Zur technischen Ausstattung gehören neben den einfachen Kommunikationsmöglichkeiten wie eMail oder Chat auch Foren zu allen Themenbereichen des Unterrichts sowie Videokonferenzsysteme (mit WebCam). Damit sind sowohl synchrone wie auch asynchrone Tätigkeiten möglich.

Es gibt eine klare inhaltliche wie auch zeitliche Abstimmung zwischen den Auszubildenden und der Schule, an die sich alle halten müssen:

Die didaktische und methodische Konzeption

Das „virtuelle Klassenzimmer" ist keine technische Spielwiese, sondern folgt klaren didaktischen und methodischen Konzepten, die gemeinsam erarbeitet wurden. Dabei ist den Beteiligten von vornherein klar gewesen, dass die hergebrachten Methoden nicht einfach auf die neue Technik übertragbar sind. Dementsprechend wurde die Unterrichtskonzeption sorgfältig erarbeitet. Ausgangspunkt ist die Lernfeldorientierung, die vernetztes, exemplarisches und ganzheitliches Lernen verlangt. So kann Medienkompetenz im virtuellen Klassenzimmer nur erreicht werden, wenn die Konzeption handlungsorientiert angelegt ist und schüleraktive Methoden wie auch unterschiedliche Sozialformen vorgesehen sind.

Zwei Lehrer der Schule unterrichten die gesamte Klasse in allen Fachbereichen; d.h. die Trennung nach Schulfächern ist aufgehoben, es wird themenbezogen und fächerübergreifend unterrichtet.

Aus dem Wochenplan ist ersichtlich, dass neben festen Online-Zeiten auch Selbstlernzeiten eingeplant sind, die eigenständiges Arbeiten und damit auch selbstverantwortliches Lernen ermöglichen.

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8-12h
Berufsschule
Betriebs-
einsatz
Betriebs-
einsatz
8-12h
Berufsschule
Betriebs-
einsatz
12-15.30h
Selbstlernzeit
Betriebs-
einsatz
Betriebs-
einsatz
12-15.30h
Selbstlernzeit
Betriebs-
einsatz

 
Zu betonen ist, dass die Inhalte, die im virtuellen Klassenzimmer erarbeitet werden, mit den Inhalten während des betrieblichen Einsatzes zu tun haben. Wird z.B. das Thema Absatzwirtschaft auf schulischer Seite behandelt, so ist sichergestellt, dass die Auszubildenden bei der DTAG z.B. mit T-Punkt oder Großkunden befasst sind.

Im allgemeinbildenden Bereich lernen die Auszubildenden vorwiegend selbstorganisiert. Die Rolle der Lehrer ist die von Lernbegleitern. „In einer Gesellschaft, in der es immer wichtiger wird, sich präsentieren zu können, sich ständig neues Wissen anzueignen und dieses vor einem Publikum zu präsentieren, ist diese Form des Unterrichts eine optimale Vorbereitung auf den späteren Einsatz im Berufsleben. Zu entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist, ist in der heutigen Situation, wo ständig neue Einflüsse auf einen einbrechen, von enormem Vorteil". (Nico Ritter, Auszubildender).

Bilanz

Während der zweijährigen Ausbildung sind die angehenden Industriekaufleute 960 Stunden über Telelearning unterrichtet worden, weitere 960 Stunden haben sie selbstständig umfangreichere Aufgaben erarbeitet, die sie dann ihren Mitauszubildenden präsentiert haben.

Viermal im Jahr fanden Präsenztermine statt, die den zwischenmenschlichen Kontakten gedient haben, aber auch für Klausuren notwendig waren, insgesamt haben sich die Ausbildenden und ihre Lehrer 420 bis 480 Stunden „live" getroffen.

Eine Umfrage am Ende des Schulversuchs ergibt rundum Zufriedenheit, nicht nur mit dem Lernerfolg, sondern auch bezogen auf Motivation, Förderung von Selbständigkeit und sozialer Kompetenz.

Das Projekt wird fortgesetzt.

Hier finden Sie eine ausführliche Dokumentation des Schulversuchs.