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E-Learning bei der IHK

Detlef Carstensen, IHK-Bildungshaus Grunbach, Projektmanagement Neue Medien

  

2.5 IHK

Potenziale des Online-Lernens

Das Online-Lernen wird sich in den nächsten Jahren synonym zur Entwicklung des electronic commerce in den Unternehmen zu einem integralen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung entwickeln. In diesem Zuge wird es durch die Nutzung des Internet mit seinen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten auch bei den Bildungsträgern zu einer tiefgreifenden Produkt- und Prozessinnovation kommen.

Bei der Einschätzung der Tragweite der Veränderungen für den Bildungsprozess vor allem für Fach- und Führungskräfte ist zu berücksichtigen, dass es sich beim Online-Lernen um eine Form des Fernlernens handelt, das allerdings im Vergleich zum seitherigen „papierbasierten" Fernlernen die Vorteile der neuen Technologien nutzt. Betrachtet man sich den derzeitigen Weiterbildungsmarkt, so wird es zukünftig durch die Möglichkeiten des internetbasierten Lernens zu einer weiteren Verschmelzung von Fernlernen und Präsenzlernen kommen.

Kompetenz in neuen Lehr- und Lernformen

Das Bildungshaus Grunbach der IHK Region Stuttgart bietet seinen Kunden (Unternehmen und Privatpersonen) bereits seit 1995 die Möglichkeit, Ihren Bildungsbedarf mit den Methoden des computer-based-training zu decken. In einem Lernstudio können an Multimedia-Lernstationen computer-based-trainings (cbt´s) im Selbststudium bearbeitet werden. Die hauptsächlich bearbeiteten Themen sind der Umgang mit den Microsoft Office Programmen sowie im technischen Bereich Lernprogramme zu CNC-, Fluid- und Robotertechnik, im Sprachbereich ist es ein Englischlernprogramm.

Mit der freien Wahl der Lerninhalte und des Lerntempos ergibt sich im Vergleich zum traditionellen Seminar eine flexiblere Lernform, die innerhalb von 5 Jahren von etwa 1000 Teilnehmern aus Unternehmen sowie von Privatpersonen genutzt wurde. Die Erfahrungen, die seither mit dieser „neuen" Lernform gemacht wurden, sind insgesamt positiv. Es gibt viele Lerner, die den Selbstlernprozess mit der Möglichkeit der Konfigurierbarkeit der Lerninhalte der Seminarform vorziehen.

Die Nutzung des Lernstudios ist allerdings neben den beschriebenen Vorteilen auch mit gravierenden Nachteilen behaftet. So wird von den Teilnehmern vor allem die anfallende Fahrzeit als Nachteil empfunden sowie der Mangel an fachlicher Unterstützung durch einen Trainer. Es wird immer wieder der Wunsch geäußert, die Lernprogramme mit nach Hause nehmen zu können und bei Lernproblemen einen Trainer zu kontaktieren zu können.


e-Learning in der Ihk-online-akademie

Basierend auf den beschriebenen Erfahrungen mit dem Lernmedium „Computer" wurde die ihk-online-akademie entwickelt, die ab November 2001 bundesweit an den Start geht und die auch für Unternehmen und private Lerner in der Region Stuttgart nutzbar ist. Die oben skizzierten Nachteile, die mit dem „stationären" Lernstudio verbunden sind, sollen mit Hilfe einer Lernplattform, die über das Internet angewählt werden kann, abgemildert werden. Neben reinen Online-Modulen, die allerdings nur von geübten Lernern mit einem gewissen Maß an Selbstlern- und Medienkompetenz bearbeitet werden können, werden Online-Lehrgänge angeboten, die sich aus Präsenz- und tutoriell betreuten Online-Lernphasen zusammen setzen.

Elemente eines Online-Lehrgangs

Die neu entwickelten Online-Lehrgänge bestehen aus verschiedenen technischen und pädagogischen Elementen, die in ihrer Gesamtheit ein komplexes Lernarrangement bilden. Das Zusammenwirken unterschiedlicher Lehr-/Lernmethoden, verschiedener Lerntechnologien und verschiedener Lernorte soll im Folgenden am Beispiel einer Online-Qualifizierung zum „Office-Profi (IHK)" beschrieben werden.

  

Lernplattform

Zentrales Element für die Steuerung der Online-Lernprozesse neben der Einbindung von Tutoren ist die Nutzung einer Lernplattform, auf die sich der Teilnehmer per Passwort über das Internet einloggen kann. Diese Plattform ermöglicht den Zugriff auf lerngruppenspezifische Informationsspeicher, auf alle bereitgestellten Kommunikationsfunktionen und auf Medien, wie zum Beispiel wbt´s (web-based-trainings), Präsentationen und Dokumente. Im Einzelnen sind die im Lehrgang nutzbaren Funktionen:

  • Foren und interne e-mail-Systeme zum Austausch von Teilnehmer- und Tutorenbeiträgen
  • Dokumentenarchive zum up- und download von Lernmaterialien, wobei neben den Tutoren und dem Lehrgangsmanagement auch die Lehrgangsteilnehmer zum Einstellen von Materialien berechtigt sind
  • Chat-Systeme zur synchronen Kommunikation in Kleingruppen
  • Mediendatenbank mit der Möglichkeit zum Aufruf und zur Bearbeitung von wbt´s, Übungsaufgaben, Präsentationen ...

  

Interaktives Lernprogramm (wbt)

Neben der Lernplattform kommt dem Einsatz eines interaktiven Lernprogramms (wbt) innerhalb des Lernarrangements große Bedeutung zu. Im vorliegenden Online-Lehrgang kommt ein wbt aus der TutorWin-Reihe der Prokoda AG zum Einsatz, das den Anspruch an einen hohen Interaktionsgrad erfüllt und alle wesentlichen Lernziele umfasst, die im Curriculum vorgesehen sind. Es handelt sich um ein tutorielles Lernprogramm, das in Kapiteln und Unterkapiteln vom Lerner steuerbar ist.

  
Begleitende Lernunterlagen und Übungsaufgaben

  • Abgestimmt auf das wbt gibt es begleitende Lernunterlagen, die online verfügbar sind und die ausgedruckt werden können.
  • Des weiteren werden Übungsaufgaben eingesetzt, die zu jedem Lernkapitel verfügbar sind. Dabei handelt es sich jeweils um eine Aufgabe, die die Lernschritte im Lernprogramm (wbt) als Reproduktionsaufgabe nachvollzieht und um eine Transferaufgabe. Die Übungen werden mit der Originalsoftware durchgeführt, können abgespeichert, dem Tutor zugesandt und von diesem korrigiert werden. Um unnötigen Schreibaufwand zu vermeiden, stehen bereits vorgefertigte Dateien zum download auf den Teilnehmer-PC bereit.

  

Präsenzseminar und tutorielle Begleitung

Dem Tutor fällt in diesem Lehrgang eine zentrale Rolle zu. Er führt neben dem Online-Tutoring in der Regel auch die Präsenzveranstaltungen durch. Im Gegensatz zu herkömmlichen Seminaren mit dem Charakter der Stoff- und Wissensvermittlung spielt er im Online-Lehrgang vor allem eine moderierende, steuernde und motivierende Rolle. Im Vordergrund stehen das Aufzeigen von Lernwegen und die Lösung von Lernblockaden, was nicht heißt, dass in den Präsenzseminaren nicht auch Stoff vermittelt wird. So wird es Lerninhalte geben, die im Lernprogramm nicht oder zu wenig berücksichtigt werden oder die der Trainer / Tutor für besonders wichtig hält und deshalb im Präsenzseminar thematisiert. Generell gilt in diesem Lernarrangement jedoch die Prämisse, dass Fachwissen vor allem mit Hilfe des Lernprogramms vermittelt werden soll, während Strategie- und Transferwissen schwerpunktmäßig Themen der Präsenzphasen sind.

In den Online-Phasen nimmt der Tutor eine Taktung von Lerneinheiten und Übungsaufgaben vor, um den Lernprozess in einem vorgegebenen zeitlichen Rahmen zum Abschluss zu bringen. Er steht als kompetenter Ansprechpartner sowohl in fachlicher als auch in methodischer Hinsicht in Foren und chats zur Verfügung und bearbeitet die anfallenden mails innerhalb eines vereinbarten Zeitrahmens.

  

E-Learning Center

Der Einsatz von computerbasierten Lerntechnologien über das Internet erfordert in einem hohen Maße Selbstlernkompetenz, Lerndisziplin sowie die Fähigkeiten zum Umgang mit der jeweiligen Computertechnik. Dies kann nur bei wenigen Lernern voraus gesetzt werden. Aus diesem Grunde stellt das IHK-Bildungshaus einen entsprechend ausgestatteten Raum zur Verfügung, in dem der Umgang mit der Lernplattform und den wbt´s trainiert werden kann. In diesem Rahmen finden Informations- und Einführungsveranstaltungen zum Online-Lernen statt. Teilnehmer, die Anfangsschwierigkeiten mit der Nutzung des e-Learning haben, können hier im Rahmen der gebuchten Qualifizierung unter Anleitung die ersten Übungseinheiten absolvieren. Die angebotenen Hilfen betreffen den Umgang mit der neuen Lerntechnologie, jedoch nicht die Lerninhalte. Fragen zu inhaltlichen Aspekten sollen mit dem jeweiligen Tutor über die Lernplattform abgeklärt werden.

Das e-Learning Center soll sowohl bei Dozenten als auch bei Teilnehmern Unsicherheiten im Umgang mit den neuen Lerntechnologien abbauen helfen, um langfristig die Nutzung des Computers zu Lernzwecken zu einer selbstverständlichen Lehr- und Lernmethode zu entwickeln.

  

Startangebot IHK-Online-Akademie

Die ihk-online-akademie/stuttgart geht mit dem oben beschriebenen Online-Lehrgang „Office-Profi (IHK)" und einigen reinen Online-Produkten aus dem MS-Office-Bereich an den Start. Zielgruppe hierfür sind Fach- und Führungskräfte in den Unternehmen. Desweiteren werden die Teilnehmer in einigen Langzeitlehrgängen (z.B. in Lehrgängen zum Betriebswirt oder Industriemeister) Online-Zugänge zur Lernplattform erhalten, auf der ergänzende Lernmaterialien zum download und Foren zum Informationsaustausch zur Verfügung stehen. Dieses Angebot soll sukzessive ausgebaut werden, so dass davon ausgegangen werden kann, dass in einigen Jahren in bis zu 25% der Lehrgänge in der Weiterbildung Online-Elemente integraler Bestandteil sein werden.

Analog zur Weiterbildung sollen auch in der Erstausbildung die Möglichkeiten des e-Learning genutzt werden, so z.B. in Lernortkooperationen oder in Kooperationsmodellen Berufsschule, überbetriebliche Bildungsstätte und Ausbildungsbetrieb. Basis dafür bildet ein 2-jähriges Projekt mit dem Titel „Medienwerkstatt", das mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Ziel diese Projektes ist es, die Nutzung des Computers als Lehr- und Lernmedium im Ausbildungsalltag zu etablieren. Neben der Nutzung von cbt´s, die am Markt verfügbar sind, werden werkstattnahe cbt´s von Ausbildern selber entwickelt.

Fazit

Die netzbasierten Lerntechnologien ermöglichen viele neue Lernszenarien und versprechen eine deutliche Flexibilisierung von Lernprozessen. Bei der Nutzung dieser Lernformen in der Aus- und Weiterbildung stehen die Träger der beruflichen Bildung jedoch alle noch am Anfang. Erste Schritte sind gemacht, allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis die Akzeptanz des Computers als Lernmedium so weit fortgeschritten ist, dass sich unter dem Stichwort „Medienkompetenz" eine neue Kulturtechnik etabliert hat. Eine Fülle technischer und pädagogischer Fragen werden noch zu klären sein, die eine gehörige Portion Pioniergeist bei den Akteuren im schulischen Bereich sowie in der Aus- und Weiterbildung erfordern.