E-Learning bei IBM
2.4 IBM
1. Zielgruppen:
Zunächst unsere Definition von E-Learning: E-Learning ist das Schlagwort für einen neuen Lernansatz aus Strategie und Technologie. Unter E-Learning verstehen wir bei IBM technologiegestütztes Lernen im Unternehmen, das eng an die Geschäftsprozesse angepasst ist. Die Technologie besteht dabei aus einem Verbund von elektronischen Systemen und Medien, wie z.B. Computer, Netzwerke, Web-Kameras, CD-ROMs, verteilte Lern-Anwendungen, etc.
IBM spricht über E-Learning unternehmensweit alle Mitarbeiter an. Generell hat jeder IBM-Mitarbeiter die Möglichkeit, sich über die Kursangebote von IBM Learning Services intern weiterzubilden. Die Weiterbildungsmethoden reichen dabei vom klassisches Klassenraumtraining über das Selbststudium bis hin zum E-Learning. IBM Learning Services, ein Teilbereich von IBM Global Services, ist mit ca. 3.400 Fachkräften in 55 Ländern die weltweit größte Schulungsorganisation. Die Schulungsangebote von IBM Learning Services wenden sich sowohl an Mitarbeiter als auch an Kunden. Informationen über IBM Learning Services und E-Learning bei IBM erhält man unter folgender Internet-Seite: http://www-5.ibm.com/de/learning/
IBM hat mit dem IBM Global Campus" im April 1999 ein intranetbasiertes virtuelles Bildungszentrum für ihre Mitarbeiter geschaffen. Inzwischen findet mehr als jede dritte interne Schulung online statt. Die Mitarbeiter können im Global Campus aus über 1.400 E-Learning Kursen auswählen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Weiterbildungsangebote sind Informationstechnologie (IT), Führungskräftetraining sowie Sozialkompetenztraining. Innerhalb der IT gibt es folgende Vertiefungsrichtungen: Enterprise Systems und Storage, Network and Systems Management, Advanced PC und Server, e-business/Application Development, Datenbanken- und Transaktionssysteme sowie Midrange Server.
2. Inhalte:
Sehr beliebt sind zum Beispiel Management-Kurse wie Basic Blue, das interne Führungskräfte-Training-Programm, welches im Juni 2001 vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag mit dem Intiativpreis für Aus- und Weiterbildung ausgezeichnet wurde.
3. Didaktik:
IBM verfolgt bei ihren internen E-Learning-Kursangeboten den Ansatz des sogenannten blended learning", eine Mischung aus selbst-gesteuertem Lernen, kollaborativem Lernen, und synchronem Lernen.
selbst-gesteuertes Lernen:Der Lernende kann sein eigenes Tempo bestimmen, indem er die elektronisch bereit gestellten Kursmaterialien unabhängig vom Rest des Kurses durcharbeitet. Selbst-gesteuertes Lernen kann sehr frei ablaufen oder auch kontrolliert (indem regelmäßige Tests durchgeführt werden oder das Absolvieren jeder digitalen Lerneinheit elekronisch protokolliert wird).
kollaboratives oder asynchrones Lernen:
Asynchrones Lernen ermöglicht es dem Lernenden, seinen Lehrplan selbst aufzustellen. Gleichzeitig arbeitet er in Teams, von denen jedes Mitglied Zugang zu den gleichen Lernmaterialien hat, an Gruppenprojekten. Die Zusammenarbeit erfolgt beispielsweise über Online-Diskussionsforen und virtuelle Schultafeln, über die sich die Teammitglieder austauschen können. Diese Art des Lernens ist besonders nützlich für die gemeinsame Problemlösung in der Gruppe und die Vertiefung des Gelernten in Einzel-Lernphasen.
Real-time"- (synchrones) Lernen:
Synchrones Lernen ermöglicht den simultanen Zugang aller Studenten und des Tutors zu Lerninhalten innerhalb eines Unternehmens. Diese Lerngruppen kommen zu bestimmten Zeiten im virtuellen Klassenzimmer zusammen, ohne dass sie ihr Büro oder Zuhause verlassen müssten. Lotus LearningSpace, die IBM Lernplattform integriert Audio- und Videotechnik, Chat-Funktionalität, E-Mail und vieles mehr, um synchrones Lernen auf abwechslungsreiche Weise zu ermöglichen.
4. Technik:
Wir benutzen die firmeneigene Lernplattform Lotus LearningSpace (Release 5.0), ein web-basiertes Softwaresystem für das E-Learning. Lotus LearningSpace 5.0 ist eine Softwarelösung mit offenen Standards, mit der beispielsweise synchrones Lernen sehr effektiv durchgeführt werden kann (siehe Frage 3)). Für Kunden, die Lotus Notes und Lotus Domino nutzen, ist es besonders vorteilhaft, denn es ist perfekt zugeschnitten auf deren Infrastruktur. Zusätzlich zu umfassenden Test- und Managementfeatures kann Lotus LearningSpace 5.0 Kursinhalte nahtlos in die vorhandene technologische Umgebung integrieren. Benutzer können neues und bereits bestehendes Lernmaterial von führenden Anbietern verwenden, beispielsweise von SmartForce, Skillsoft und NETg (von Thompson Corporation).
Lotus LearningSpace 5.0 bietet weitere drahtlose und kollaborative Instrumente, so dass die Benutzer problemlos mit ihren Klassenkameraden und Tutoren chatten oder E-Mailen können. Die neu designte Schnittstelle für Lernende basiert unter anderem auf HTML für die bessere Anpassung an klientenspezifische Lösungen.
Außerdem kann man mit der Softwareplattform Lerngruppen in Break-Out-Sitzungen aufteilen oder auch das Kursgeschehen aufnehmen, um es später zu wiederholen, sollte man an einer Kurssitzung nicht teilnehmen können.
Auch technologisch gesehen hat LearningSpace 5.0 Vorteile. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat sie eine höhere Skalierbarkeit und unterstützt Windows 2000 und die neuen Versionen von MS SQL, Oracle und DB2 besser. Es kann sogar Personalprozess-Systeme wie beispielsweise von PeopleSoft und SAP integrieren.
5. Organisation:
Wie in Frage 1) erwähnt, ist IBM Learning Services, Teilbereich von IBM Global Services, mit ca. 3.400 Fachkräften in 55 Ländern die weltweit größte Schulungsorganisation. Sie ist mit circa 300 Mitarbeitern und zwölf Schulungszentren in Deutschland vertreten. Die umfassenden Schulungsangebote von IBM Learning Services wenden sich sowohl intern an die Mitarbeiter als auch extern an Kunden.
Welche Möglichkeiten uns E-Learning in der betrieblichen Weiterbildungspraxis eröffnet, wird am Beispiel der IBM selbst deutlich. Durch E-Learning als Lernmethode haben wir viele Vorteile:
- wir können ca. 25.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pro Jahr auf den gleichen Wissensstand bezüglich Kunden, Produkten und Lösungen bringen, und zwar weltweit und einheitlich.
- die bestehende Mitarbeiterschaft - also weltweit über 330.000 MA - kann ihr Wissen permanent aktualisieren. Mit zeitkritischen Qualifizierungsmaßnahmen haben wir beispielsweise einen großen Teil der IBM Mitarbeiterschaft innerhalb von kurzer Zeit mit Lotus Notes, Lotus LearningSpace und CRM Tools vertraut gemacht.
- zudem können wir unsere Führungskräfte weltweit dank E-Learning unabhängig von Zeit und Ort ausbilden
=> siehe Basic Blue:
Seit 1999 haben über 4.000 Manager das Training abgeschlossen. Nach eigenen Schätzungen hat IBM durch dieses Programm weltweit Kosteneinsparungen von mehr als 16 Millionen US-Dollar im Jahr 2000 erzielt. Kerninhalte des Programms sind dabei Management-Grundlagen, Leadership, Personalarbeit, Teamarbeit und das Coaching.
- auch mobil arbeitende Kollegen können wir über E-Learning optimal in alle Weiterbildungsmaßnahmen integrieren.
- Mindestens ein Drittel unserer internen Aus- und Weiterbildung wird im Intranet durchgeführt. Allein dadurch erzielten wir in 2000 einen Produktivitätsgewinn von 350 Millionen US-Dollar.
Auf der Kundenseite ergeben sich zusätzlich Vorteile vor allem bei der Durchführung neuer Geschäftsinitiativen:
- Flexible Lernlösungen werden zur Einführung neuer Systeme oder Geschäftsprozesse als Desktop-Anwendungen bereitgestellt.
- Mit maßgeschneiderten E-Learning-Programmen können zum Beispiel Zulieferer, eigene Mitarbeiter, Vertriebspartner und Kunden für den Umgang mit einem neuen Produkt effizienter geschult werden.
- Die Integration neuer Geschäftseinheiten, zum Beispiel nach Unternehmenszukäufen oder -fusionen, kann durch E-Learning-Maßnahmen unterstützt werden.
6. Ausblick:
E-Learning wird weiterhin einen sehr hohen Stellenwert haben, auch wenn Präsenzkurse nie vollständig durch E-Learning-Methoden ersetzt werden können. Wir sehen die generelle Entwicklung auf dem Markt dahingehend, dass Weiterbildung, Skills Management und Knowledge Management sich zunehmend verknüpfen. Von diesen drei Faktoren wird die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens maßgeblich beeinflusst.
Dass E-Learning zum festen Bestandteil der Unternehmenskultur bei IBM geworden ist und dort eng mit dem Skills Management verwachsen, zeigt z.B. unser Intranet-Portal Ask HR". Human Resources bietet eine unternehmensweite Plattform mit Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten zu allen Personalthemen, wie Arbeitsverträge, Karriere, Gehalt oder Qualifizierungsangebote. Es ist mit dem IBM Global Campus verknüpft, beispielsweise was zu absolvierende Kurse angeht, deren erfolgreiches Absolvieren die Vorraussetzung für Karrierewege darstellen.
IBM Learning Services verfügt aufgrund eigener Erfahrungen über das Know-how für die strategische Verzahnung der genannten Bereiche und bietet ihren Kunden die Erstellung unternehmensweiter Lernnetzwerke (Enterprise Learning Networks) an. Zu den wesentlichen Komponenten dieses Angebots gehören:
- Die Entwicklung einer unternehmensspezifischen Business Academy zur Förderung von Wissen an strategisch wichtigen Positionen. Sie dient zur Schulung von Wissensmultiplikatoren, die dadurch befähigt werden, ihr exklusives Wissen zielgerichtet und projektbezogen weiterzugeben.
- Die Einführung eines effektiven Knowledge Management zur Organisation des Wissenstransfers durch IBM Mindspan Solutions auf der Basis der E-Learning-Infrastruktur Lotus LearningSpace.
- Die Entwicklung und Implementierung von Skills Management innerhalb der HR-Funktion, speziell auf Unternehmensbedürfnisse zugeschnitten.
Ein weiterer Trend, der in fünf Jahren schon fast fest etabliert sein wird, ist das Pervasive Learning, also E-Learning mittels tragbarer PCs oder mobiler Endgeräte wie beispielsweise PalmTops. IBM hat Pervasive Learning als Zukunftsszenario auf der diesjährigen CeBIT vorgestellt. Es bietet sich vor allem für das Training solcher Berufsgruppen an, die am Arbeitsplatz normalerweise keinen permanenten Zugang zu einem PC haben oder die vor allem im mechanischen Bereich arbeiten. Ein Flugzeugmechaniker beispielsweise kann mit einem tragbaren PC, der am Körper befestigt ist, auch im Inneren eines Flugzeugrumpfes das Reparieren bestimmter Teile lernen, weil er über eine Live-Video-Leitung mit seinem Tele-Tutor verbunden online auf Datenblätter und Handbücher zugreifen kann und außerdem die Hände frei hat, um den Lernstoff sofort mittels seiner Werkzeuge unter Anleitung des Tutors umzusetzen.

