E-Learning bei der Allianz AG
2.2 E-Learning in der Allianz
Erste Erfahrungen mit der Lernplattform ALF
Eine Reihe von neuen Rahmenbedingungen haben den deutschen Versicherungsmarkt in den letzten Jahren stark verändert. Seit der Deregulierung des Marktes Anfang der 90er Jahre haben sich die Innovationszyklen bei Produkten und Arbeitstechniken stark verkürzt, Service und Geschwindigkeit sind die wichtigsten Wettbewerbsfaktoren geworden. Die Erwartungen der Kunden an ein Versicherungsunternehmen lassen sich heute mit den Begriffen schneller, besser und billiger" zusammenfassen.
Auch die Allianz kann sich diesen Veränderungen nicht entziehen. Ziel ist es vielmehr, diese Veränderungen als Marktführer aktiv mitzugestalten. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter auf neue Situationen gleichzeitig sicher und kreativ reagieren.
Seit 1996 beschäftigt sich die Allianz mit dem Thema E-Learning und mit der Einführung einer Lernplattform. Da es sich dabei um sehr komplexe Veränderungsprozesse in der Bildungsarbeit handelt hat die Allianz ein stufenweises Vorgehen beschlossen. Zur Gewinnung erster Erfahrungen wurde zunächst in der Erstausbildung die Lernplattform ALF (Allianz Lern Forum) entwickelt.
ALF ist eine Lernplattform, die durch den Einsatz von vernetzter PC-Technik einen ständig aktualisierten Wissenspool sowie ein Kommunikationssystem für die Erstausbildung zur Verfügung stellt. Ausbilder können aus bereits vorhandenen Informationen ihre Unterrichtsunterlagen und Seminare schnell und umfassend zusammenstellen. Eigene Konzepte und Unterlagen können mit Kollegen an anderen Standorten besprochen und weiterentwickelt werden. Auf diese Weise wächst der Wissensbestand ständig.
Auszubildende können nach ihren Bedürfnissen und in ihrem eigenen Lernrhythmus Lernmaterialien abrufen und bearbeiten. Der Austausch mit anderen Azubis ist besonders bei der Vorbereitung auf Präsentationen oder Prüfungen wichtig und wird durch virtuelle Räume (Chat-Rooms) in ALF standortübergreifend möglich.
Die Einführung von ALF hat mehrere Ziele: Aus organisatorischer Sicht ist das Hauptziel von ALF, die Qualität der Ausbildung trotz ständig neuer Anforderungen zu steigern und den Aufwand gleichzeitig zu verringern. Besonders die Nutzung von Synergien und die Vermeidung von Mehrfachentwicklungen an den verschiedenen Standorten der Allianz stellen ein Ökonomisierungspotential dar. Umgekehrt führt allein der verstärkte Austausch von Ausbildungsmaterialien zu einem Wissens-Transfer, der die Qualität der Ausbildung verbessert. Die methodisch-didaktischen Ziele fokussieren auf die Stärkung der Handlungsorientierung in der Ausbildung und die Förderung von Schlüsselqualifikationen.
ALF ist in fünf Kernbereiche unterteilt: drei für die Azubis (Mediathek, Lernplaner, Forum) und zwei, die den Ausbildern vorbehalten sind (Werkstatt, Administration):
- Mediathek: Die Wissens-Datenbank. Die Mediathek enthält alle Lernmedien, die für die Erstausbildung wichtig sind: Lerntexte, CBTs, Videos, Fallstudien und Aufgaben.
- Lernplaner: Gut geplant ist halb gelernt - Hier stellen sich die Azubis ihren individuellen Lernplan nach der Ausbildungsordnung und den Lernempfehlungen, die die Ausbilder vorgegeben haben, zusammen
- Forum: Im Team geht alles leichter. Hier treffen sich feste Lerngruppen, um miteinander Themen und Arbeitsaufträge zu bearbeiten; aber auch Einzelkontakte sind möglich: Die Ausbilder sind hier erreichbar, z.B. in fest vereinbarten Sprechstunden".
- Werkstatt: Der Kreativbereich für Ausbilder. Hier
können sie Lernempfehlungen entwickeln und Unterlagen zu einem Thema zusammenstellen.
Daneben lassen sich auch Lernerfolgskontrollen zur Prüfungsvorbereitung erstellen. - Administration: Auch ALF braucht Pflege. Je Standort werden hier die Benutzer und deren Berechtigungen gespeichert. Nur so kann gewährleistet werden, dass jeder Anwender Zugriff auf seinen" Bereich hat.
Der produktive Einsatz von ALF erfolgte zum 1.1.2000. Die hier vorgestellten Erfahrungen stammen aus der ständigen, begleitenden Evaluation mittels Fragebögen und Telefoninterviews.
Ab dem ersten Tag war die Akzeptanz sowohl bei den Ausbildern als auch bei den Azubis hoch. Besonders bei den Azubis war die Einstellung zu ALF positiv, ALF ist cool". Der am häufigsten genutzte Bereich war und ist die Mediathek.
Bei den Ausbildern herrschte zunächst ein hemmender Perfektionismus. Es wurden nur Materialien in ALF eingestellt, die auch höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wurden. Dadurch füllte sich die Mediathek aber nur langsam. Mittlerweile werden jedoch auch Inhalte eingestellt, die noch nicht ganz perfekt sind. So wächst die Mediathek nun zügig. Zum Jahresende 2000 waren bereits über 1.000 Dokumente online verfügbar. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen der Ausbilder hat sich damit fest etabliert.
Ein Fazit: Langsamer Einstieg, aber kontinuierliche Steigerung
So könnte ein erstes Fazit nach gut einem Jahr lauten. Charakteristisch scheint v.a., dass die Azubis extrem veränderungsbereit sind und sich gerne auf eine neue Technologie wie ALF einlassen. Bei den Ausbildern war die Begeisterung weniger ausgeprägt, nicht zuletzt wegen des Mehraufwandes in der Startphase und des unbekannten Konzepts des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Für eine erfolgreiche Implementierung zeigt sich hier vor allem die Bedeutung eines detaillierten und aufeinander abgestimmten Bündels von Einführungs- und Schulungsmaßnahmen, in dem sowohl das System und seine Funktionsweise als auch die neue Form der Zusammenarbeit erläutert werden.
