Internet-Shops
| Nicolas Batsch, Carl-Benz Schule Mannheim |
Einleitung
Am schnellsten verdient man natürlich Geld, indem man Aktien von Internet "Start-Ups" kauft _ dachte ich bis letzte Woche. Mittlerweile frage ich mich, was diese jungen dynamischen Manager eigentlich falsch machen, da die Aktienkurse so schnell wieder gefallen sind. Also bleibt doch nur die "Ochsentour" (wenn man nicht alles selber macht...) _ einen Internet Shop aufmachen. Ich habe zwar nicht die geringste Vorstellung, was ich verkaufen soll, aber wir tun einfach mal so.
Als langjähriger Leser der Online News kenne ich mich gut aus mit HTML, Skriptsprachen, WEB-Servern und einen NT-Server setze ich in der großen Pause so ganz nebenbei auch schnell auf. Falls Sie noch nicht soweit sind, sollten Sie vielleicht die eine oder andere Nummer der Online News noch einmal durchblättern. Und halten Sie sich dran, denn mir ist gerade eine gute Idee gekommen ...
... anstatt die Online News kostenlos an die Schulen zu verschicken (Portokosten!), könnte das LEU sie eigentlich in Zukunft nur noch auf seinem WEB Server zum Download zur Verfügung stellen. Ein paar statische HTML Seiten, wie sie jeder zu Hause "zu Fuß" oder mit Frontpage, Dreamweaver oder GoLive erstellen kann, reichen vollkommen aus.
Jetzt kommt die Idee: Für jeden Download wird Geld verlangt. Damit fallen die zwei Hauptprobleme eines eShops weg. Man muß keine Bestellung aufnehmen und die Ware muß nicht extra geliefert werden. Durch Anklicken des Links auf die Datei, die der Kunde herunterladen will, "bestellt" er und durch den eigentlichen Download bekommt er die Ware auch sofort "geliefert".
Aber wie komme ich an mein Geld? Bezahlen sollte der "Kunde" natürlich schon - irgendwie. Also müßte man doch eine extra Seite einrichten, auf welcher der Kunde sich identifiziert, eine Zahlungsart wählt und, und .... (vergl. Online News Nr. 12 _ "Münzensurrogate im Web") oder man nimmt den Dienst einer dieser vielen hoffnungsvollen Internet-StartUps in Anspruch [4]. Diese Firma bietet eine Lösung für alle Produkte, die einfach durch einen Download im Internet "geliefert" werden können. Der Link auf die Datei wird auf die Homepage der Firma umgeleitet und dort kann der Kunde nach einer Registrierung zwischen all den aktuellen Internet Zahlungsarten wählen. Danach erst wird der eigentliche Download gestartet. Dafür verlangt die Firma einen kleinen Anteil am Verkaufspreis.
Damit steht dem Internet Verkauf von (Online News-) Artikeln, eigenen Software-Programmen, Arbeitsblättern, Klassenarbeiten (insbesondere den Lösungen) und anderen geistigen Ergüssen "armer geplagter Lehrer" eigentlich nichts mehr im Wege. Ob allerdings auch die dynamische Steigerung des Verkaufspreises umgekehrt proportional zur Annäherung des aktuellen Datums an einen bestimmten Zeitpunkts unterstützt wird (ich denke da an die Lösungen), konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Anforderungen an einen eShop
Falls doch "echte" Produkte geliefert werden sollen, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:
1. Internet-Präsenz:
Man muß entweder selber einen WEB Server betreiben (nur für Firmen denkbar) oder bei einem Provider Plattenplatz mieten (wohl eher der Standard). Außerdem sollte man einen eigenen Domain Namen (www.meinShop.de) haben. Letzteres ist mittlerweile für ein paar Mark im Monat bei vielen Providern möglich z.B. [3].
2. Online Warenkatalog:
Das kann im einfachsten Fall eine mehr oder weniger komplex gestaltete Homepage sein, auf welcher der potentielle Kunde sich über das Warenangebot informieren kann. Für eine komfortable und schnelle Aktualisierung ist aber eine Anbindung an eine Datenbank nötig. Dann werden die HMTL Seiten dynamisch über Datenbankabfragen (Skripten) erzeugt. Eine solche Anbindung muß aber vom Provider unterstützt werden. Außerdem muß der Shop Betreiber sich gut in der Programmierung solcher Datenbanken und der Generierung dynamische HTML Seiten auskennen.
3. Bestellung:
Hat der Kunde sich entschieden, muß er die Möglichkeit haben einen virtuellen Warenkorb mit den gewünschten Produkten zu füllen und diesen nachträglich auch bearbeiten zu können. Dann bestellt er, indem er ein HTML Formular mit seinen persönlichen Daten (z.B. Lieferanschrift) ausfüllt. Diese Bestellung muß nun irgendwie an den Shop Betreiber übersendet werden. Im einfachsten Fall generiert eine HTML Seite eine email an ihn, im besseren Fall werden die Daten über ein CGI Script auf dem Web Server mit der Homepage in einer Datei abgelegt und können dort von ihm später ausgelesen werden.
4. Bezahlung:
Mit dem Warenkorb geht er zu einer virtuellen Kasse und wählt eine Zahlungsart. Im Falle von Nachname oder Bankeinzug müssen wiederum nur Daten an den Betreiber übermittelt werden. Falls Kreditkarte oder ein Art "electonic cash" gewählt wird, muß der Server auch noch eine Online Überprüfung der Daten durchführen. Damit ist die Tätigkeit des Kunden beendet.
5. Lieferung:
Der Betreiber muß nun die Bestelldaten und Zahlungsdaten auslesen und die Lieferung in Gang setzen. Diese Daten liegen auf seinem Web Server. Im Idealfall wird aber auch hier die Kette der reinen EDV nicht unterbrochen. Das heißt, daß ein Programm automatisiert die Daten ausliest und die Auslieferung veranlaßt. Verpacken und ausliefern können es aber nach wie vor nur Menschen (vielleicht hätte man doch lieber die P-Aktie kaufen sollen?)
6. Visionen [2]:
Von Lösungen zur reinen Darstellung von Produktinformationen werden sich die eShops zu einem interaktiven Marketing- und Verkaufsmedium wandeln. Neue Technologien umfassen zunehmend Möglichkeiten für virtuelle Verkaufsgespräche, Kundenforen, nutzerspezifische Angebote und Artikeldarstellungen sowie aktive Gestaltung des Inhalts durch den Besucher.
Den Schlüssel zu einem erfolgreichen Online Shop sieht das EU Projekt "Websell" im intelligenten Verkaufsassistenten (denken sie an die niedliche Büroklammer aus dem Office). Dieser begrüßt den Kunden beim Eintritt in den Laden, beantwortet seine Fragen, hilft ihm bei der Auswahl und bringt ihn an die Kasse. Das bedeutet aber auch, dass derselbe Verkäufer später bei der Reklamation und im Kundenservice zur Verfügung stehen muss, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Im Grunde gibt es also zwei Bereiche, die gut geplant sein wollen: Die Erstellung der (D)HTML Seiten und die Abstimmung der Seiten mit dem Server des Providers.
Für den ersten Punkt gibt es eine Vielzahl von Software, die einem das Leben erleichtert und die Berührung mit der direkten Programmierung von (D)HTML, Skripten und Datenbanken abnimmt.
Das zweite Problem kann hier nicht allgemein gültig geklärt werden. HTML Seiten mit eingebundenen Skripten unterstützt praktisch jeder Provider. Sowie aber eine Kommunikation zwischen dem Shop Besucher und dem Web Server nötig wird (Bestellung, Bezahlung), muß der Provider auf jeden Fall CGI Skripte unterstützen, was viele Billig Anbieter aus Sicherheits- und Kostengründen nicht tun.
Die volle Leistungsfähigkeit eines Shops mit einer kompletten Einbindung in das Firmen interne Warenwirtschaftssystem kann deshalb nur mit einem eigenen WEB Server realisiert werden, der vollständig unter der eigenen Kontrolle betrieben wird. Aber auch solche "eigenen" Server lassen sich für ein paar hundert Mark im Monat bei einem Provider mieten und aus der Ferne verwalten.
Realisierung eines eShops
In der Praxis haben sich drei Vorgehensweisen zum eigenen eShop durchgesetzt.
Einfacher Shop |
Profi Shop |
Mietshops
Man kann bei einigen Providern nicht nur Plattenplatz für die Homepage und einen Domainnamen mieten, sondern auch gleich einen kompletten eShop z.B.[3]. Die Gestaltung des Shops und Bestückung mit Waren wird dabei komplett über den Browser auf dem Web Server des Betreibers vorgenommen. Zu Hause auf dem eigenen PC liegen keine Daten. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind damit natürlich gering, man muß permanent online arbeiten und die eShops werden wahrscheinlich alle sehr "ähnlich" aussehen. Dafür braucht man aber keinerlei Programmierkenntnisse, die komplette Datenverwaltung liegt beim Provider, es müssen keine Daten auf den Server hochgeladen werden und es ist sehr billig. Ab ein paar Mark sind Sie dabei. Den Probeshop für bis zu 20 Artikel gibt es sogar umsonst. Der Leistungsumfang an einem Beispiel [1]:
Shop-Systeme von der Stange
Der nächste Schritt wäre die Erstellung des Shops offline zu Hause. Die Web Seiten, Skripts, etc. werden erst später komplett auf den Server des Providers hochgeladen. Die Erstellung dieser Web Seiten wird von vielen kommerziellen Programmen unterstützt. Im Idealfall verbergen sie HTML und Skript Einzelheiten vor dem Anwender. Man kann bei diesen Produkten grob zwei Klassen unterscheiden.
Low End
In diese Gruppe fallen Programme von 20,- DM bis max. 200 DM. Eine aktuelle Übersicht finden Sie in [1]. Diese Programme erstellen alle nach der Eingabe von grundlegenden Daten durch den Anwender eine komplette Web Site mit der Funktionalität eines WEB Shops. Die Intelligenz der WEB Seiten wird normalerweise durch eingebettetes Java Script erzeugt. Die Warendaten werden in Form einer Text Datei Liste (txt, csv, ..) zur Verfügung gestellt. Zur Kommunikation mit dem Anwender stehen email oder CGI Skripten zur Verfügung (falls der Provider dies unterstützt !).
High End
Falls darüber hinaus auch eine echte Datenbank basierte Generierung von DHTML Seiten gewünscht wird, muß man zu größeren Produkten greifen z.B.[5]. Der bekannteste Vertreter dieses High End Bereichs dürfte wohl die Firma Intershop sein (deren Aktienkurs nach Weihnachten aber auch nicht mehr Anlaß zur Hoffnung gab). Diese Produkte bzw. ihre Ergebnisse können aber praktisch nur noch auf einem eigenen WEB Server betrieben werden. Es muß ein Datenbank Server zur Verfügung stehen und der Rechner muß in vielen anderen technischen Bereichen auf die eigenen Bedürfnisse angepaßt sein. Umgekehrt stehen dann natürlich auch alle Möglichkeiten eines professionellen eShops zur Verfügung. Im Idealfall wird der WEB Server und der eShop komplett in die restliche EDV der Firma eingebunden (Warenwirtschaftssystem, Fakturierung, Versand, etc.)
Eigenentwicklungen
Wem diese fertigen Softwareprodukte nicht genügen, der kann natürlich auch alles selber entwickeln bzw. programmieren. Wer das ganze dazu nötige Know How hat, sollte sich aber überlegen, ob er sein Geld nicht lieber mit der Programmierung von eShops für andere verdient, als selber "im Laden rumzustehen" und auf Kunden zu warten (Mit dem Verkauf von Schaufeln soll im Goldrausch mehr Geld verdient worden sein, als mit der eigentlichen Suche nach dem Gold).
Beispiel
Hier soll ein Beispiel für "Shops von der Stange" vorgestellt werden.
Chip Internetshop
Für den Low End Bereich soll stellvertretend der Shop der Firma Chip vorgestellt werden. Er ist im Buch- bzw. Softwarehandel für ca. 50,- DM erhältlich.
Will man Kunden, die in Ihren Browsern JScript bzw. JavaScript abgeschaltet haben, erreichen, so ist dieser Shop nicht geeignet, da die gesamte Funktionalität auf der Verfügbarkeit dieser Technologie beruht. Ob er daher professionellen Ansprüchen genügt, bleibt fraglich.
Nach dem Programmstart kann der Benutzer alle notwendigen Daten in Masken eingeben:
Das erste Zeichen für ein Low End Programm können Sie gleich an
diesem Screenshot erkennen. Das Programm kann nur sinnvoll in der Auflösung 1024x768 betrieben werden, andernfalls werden die Masken abgeschnitten. Nach der Eingabe der persönlichen Daten, wozu auch der FTP Server der eigenen Homepage gehört (das Programm unterstützt den automatischen Upload), werden die Artikel angelegt.
Die eingegebenen Artikel werden als CSV Datei gespeichert und
können so auch mit Excel bearbeitet werden.
Für den Versand (Ausland, Inland) können die Zahlungsart,
Mindestbestellwert und Lieferzeit festgelegt werden.
Das Seitendesign kann bezüglich Schriftart, Farben und Lage des
Menüs beeinflußt werden.
Die Kommunikation mit dem Anwender geschieht entweder über
email oder CGI Skripte. Für Ladenbesitzer ohne CGI Skripte bei ihrem Provider stellt die Herstellerfirma des Programms auf ihrem WEB- Server ein einfaches CGI Skript zur Verfügung. Allerdings wird dann der komplette Bestellvorgang auf diesem Server bekannt (Datenschutz!?).
Danach generiert das Programm in einem Verzeichnis die HTML-Seiten,
Skripte und weitere Dateien, die den Shop darstellen. Für einen ersten
Test kann man den Shop dann lokal im Browser betrachten.
Anhang
[1] Internet Professional 11/2000, Seite 78
[2] Page 08/2000, Seite 94
