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Pauker auf dem POI

Sibylle Teichmann, Johannes-Gutenberg-Schule Stuttgart


Teilnehmer/innen
Mit der 2. Klasse des Grafik-Design-Berufskollegs sollen innerhalb des medientechnischen Unterrichtes Videos über die Lehrerinnen und Lehrer für unseren elektronischen Kiosk erstellt werden. Die Schüler/innen befinden sich im 2. Ausbildungsjahr der dreijährigen Vollzeitausbildung zum/zur staatl. gepr. Grafik-Design-Assistent/in.
  
Ziel
Innerhalb unseres medientechnischen Unterrichts (zur Zeit 4 Unterrichtsstunden pro Woche und Schüler) haben wir uns vorgenommen, für unseren neu angeschafften elektronischen Schulkiosk auch einen Beitrag zu liefern. Statt der sonst üblichen Vorstellungen der Beschäftigten einer Firma mithilfe Foto und Text wollten wir, dass sich unsere Lehrer/innen sowie Hausmeister/in und Küchenpersonal unserer Schule per 1-3 minütigem Video auf dem Kiosk selbst vorstellen.
     
Konzeption
Damit die Vorstellung der Personen an unserer Schule wegen Gleichartigkeit der Inhalte nicht eintönig wird, sondern damit die unterschiedlichsten Persönlichkeiten unserer Lehrer/innen besser zur Geltung kommen (schließlich sind wir auch eine „bunte“ Schule) und damit so etwas wie eine persönliche Message rüberkommt, haben wir als Konzept beschlossen, daß keinerlei Vorgaben oder Raster für den Inhalt der Videos gemacht werden:  jede/r kann erzählen, wovon er / sie möchte – sei es über sein / ihr persönliches Hobby, seine / ihre Grunderfahrungen im Leben oder der Schule, der persönliche Werdegang oder sein / ihr pädagogischer Impetus, vorausgesetzt  das maximale Zeitlimit  von 3 Minuten ist eingehalten. Wir hofften damit auch, dass bei einem solchen Personality-Konzept  die Darsteller authentischer und gelöster vor der Kamera agieren würden.
  
Durchführung
Uns war von Anfang an klar, dass diese Aufgabe vom Umfang und von den Arbeitsphasen so geartet ist, dass sie nicht unsere Unterrichtsstunden (pro Arbeitsgruppe je 4 Stunden pro Woche am Stück) „füllt“, sondern wegen Leerlaufzeiten neben einer anderen Aufgabe herlaufen muss und dass teilweise Mehrarbeit in der Freizeit notwendig ist, wenn Arbeitsphasen mit Mehrarbeit anfallen. Auch die Ausstattung der Arbeitsplätze (Kamera, Schnittcomputer,...) war nicht so geartet, dass Unterweisungen bzw. Einführungen für alle Schüler/innen zeitgleich möglich waren, im Gegenteil, wir mussten sehr viele verschiedenartige Arbeiten parallell durchführen (z.B. Schnitt und Dreh). Auch der Anteil an langweiligen Routinearbeiten (z.B. Überspielen auf den Computer) würde groß sein.
     
Die Inhalte in den Unterrichtswochen waren
  • Projektbesprechung; Schüler/innen verfassen einen Zeitplan und Projektplan und ein Anschreiben an die Lehrerschaft samt Hausmeister und Küche, in denen unser Vorhaben erläutert wird, sowie einen Rücklaufzettel, auf dem die Lehrer/innen sich zu den verschiedenen vorgegebenen Aufnahmeterminen anmelden
  • Einrichtung eines Drehortes, damit die Videos von seiten der Technik qualitativ einheitlich werden: Stuhl, Tisch, Hintergrund, Ausleuchtung, Stativ, Videoabspielgerät, das die Kontrolle des Bildes schon während der Aufnahme gestattet;
  • Einführung in die Handhabung der Videokamera;  Einteilung der Klasse in die einzelnen Aufnahmeteams (jeweils 2-3 Personen), die sich mit der Handhabung der Kamera sowie deren Auf- und Abbau vertraut machen (vor allem dem richtigen „Stöpseln“, da die Kamera nicht die drei benötigten Wochen am Stück zur Verfügung stand), und die Aufnahmen ohne Aufsicht in Eigenregie durchführen können;
  • Erstellung eines Einsatzplans für jeden Dreh sowie eines „Laufzettels“, der versehentliches Überspielen schon vorhandener Aufnahmen auf der Kassette vermeidet
  • Entwurf, Scribble einer Internetseite, auf der die Videos präsentiert werden
  • Durchführung der Aufnahmen; Einführung in die Digitalisierung bzw. Überspielen der Daten von der Kamera auf den Rechner; Einführung in den Schnitt und das Fertigstellen der Filme mit dem Realproducer, Einbindung in Internetseite sowie die Durchführung der anfallenden „Massen“arbeiten.
  
Fazit
Inhaltlich: Anfangs waren wir sehr enttäuscht, dass die Bereitschaft der Kolleg/inn/en sich für Videoaufnahmen zur Verfügung zu stellen, so gering war; die meisten trauten sich nicht, gefilmt zu werden, ein Teil will überhaupt nicht (egal in welcher Form) auf dem elektronischen Kiosk vertreten sein. Später waren wir „gottfroh“, dass sich nicht mehr gemeldet haben, denn so ein Vorhaben artet echt in Arbeit aus. Circa ein Viertel unseres Kollegiums haben wir abgefilmt, einige davon wollten nur zu zweit gemeinsam vor die Kamera. Das Ergebnis ist so bunt, wie wir es uns vorgestellt haben: es reicht vom Duo „Hauser und Kienzle“ über die traditionelle Vorstellung und bis hin zur absoluten Blödelei.
Wir werden sehen, wie die Vorstellung bei den Kolleg/inn/en ankommt (der Kiosk wartet noch auf seine Inbetriebetriebnahme), vielleicht werden wir ja nachdrehen... 
Technisch: Gleich nach den allerersten Aufnahmen sind wir von der (alten) analogen Videokamera auf die technisch hochwertigere digitale Kamera umgestiegen, was sich wirklich gelohnt hat: Beim Komprimieren der Filme für das Internet / Intranet mit dem Realproducer  erzielten wir bei den Filmen, die mit der hochwertigen Digitalkamera gedreht wurden, Dateien, die um zwei Drittel kleinere Datenmengen aufwiesen als die, die mit der „alten“ analogen Kamera erstellt wurden (sogenannte „Störgeräusche“ können schlechter komprimiert werden, wie mir ein Video-Fachmann erklärte). Außerdem war die Tonqualität erheblich besser.
  
Organisatorisch
So ein „Groß-Projekt“ (von der angefallenen Menge an zu bearbeitenden Daten her gesehen, nicht von der Schwierigkeit vom Inhalt her) ist für den Unterricht nur geeignet, wenn die Schüler/innen gewohnt sind, selbständig in Projekten zu arbeiten: Weil Arbeit außerhalb der Unterrichtszeit anfällt, muss sie ganz selbständig ohne Aufsicht durchgeführt werden können, und weil viele Routinearbeiten anfallen, die am besten in Arbeitslücken anderer Projekte gestopft werden, damit  langweilige Arbeiten nicht auf einen Sitz durchgeführt werden müssen. „Fleißarbeitsprojekte“ erfordern deshalb auch besonders viel Motivation, selbst wenn man das Ergebnis „sehen“ kann.