Geschäftsprozeßorientierte Betriebswirtschaftslehre
Einführung
In den letzten 10 Jahren wurde die Arbeitsorganisation auch in kleinen und mittleren Betrieben immer mehr an den betrieblichen Abläufen bzw. am Produktionsprozeß ausgerichtet. Dabei kam es insbesondere im Fertigungsbereich der Industriebetriebe zu erheblichen Produktivitätssteigerungen.
Die Möglichkeit, moderne Informationstechnik nicht nur in der Produktion sondern auch in der Verwaltung einzusetzen, führte auch in bisher von Rationalisierungsbemühungen weitgehend ausgenommenen kaufmännischen Unternehmensteilen zu Personalfreisetzungen.
Für die verbliebenen Mitarbeiter mußten Arbeits- und Organisationsformen gefunden werden, die die jetzt komplexeren und damit anspruchsvolleren Arbeitsinhalte unterstützen. In der Diskussion finden diese Aktivitäten unter den Überschriften “Modellierung von Geschäftsprozessen” und “Workflow-Management” ihren Niederschlag.
Zu beachten ist dabei, daß beide Methoden nicht gleichzusetzen sind. Unter „Workflow-Management“ versteht man die Abbildung des physischen oder elektronischen Dokumentenflusses in einer Unternehmung. Dabei wird dafür gesorgt, daß Dokumente zur rechten Zeit am richtigen Arbeitsplatz zur Verfügung stehen und nach Bearbeitung weitergegeben werden. Ein intensiver Einsatz von „Workflow-Management“ in einem Unternehmen deutet eher auf Brüche in der betrieblichen Datenverarbeitung bzw. im Unternehmensdatenmodell hin.
Im folgenden wird beschrieben, wie diese Verfahren entstanden sind, was sich hinter ihnen verbirgt und wie bzw. in welchem Umfang Schülern an kaufmännischen Schulen diese Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden können.
Veränderung der Wettbewerbssitutation
In den 80er Jahren sahen sich die Unternehmen einem neuen,
bisher unbekannten Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Das Einbrechen vornehmlich
asiatischer Produzenten in traditionell von deutschen Firmen dominierte
Industriebereiche, wie z.B. Automobil, Unterhaltungselektronik und Optik,
führte zu großen strukturellen Problemen. Dabei konnten die
Konkurrenten technologisch gleich- oder höherwertige kundengemäße
Produkte in sehr guter Qualität zu einem günstigen Preis anbieten.
Als Gründe für die fehlende Konkurrenzfähigkeit deutscher
und europäischer Produzenten wurden häufig unternehmerische Versäumnisse
bei der Beseitigung starrer betrieblicher Organisationsformen und wenig
innovative Produkte in stagnierenden Märkten sowie eine allgemein
ungünstige Kostenstruktur genannt.
Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
Die deutschen Unternehmen versuchten mit traditionellen
betriebswirtschaftlichen Maßnahmen ihre Situation zu verbessern:
- Senkung der Lohnstückkosten durch Rationalisierung und Kauf neuer Maschinen,
- Verlagerung eines Teiles oder des ganzen Unternehmens in Länder mit günstigen Rahmenbedingungen,
- Verkauf des Unternehmens bzw. Schließung,
- Investition in neue Verfahren zur Sicherung der Produktqualität und/oder
- Intensivierung der Vertriebsaktivitäten.

Die Durchführung dieser Maßnahmen brachte aber
nicht den erwarteten Erfolg: Für eine stärkere Automation der
Betriebe wurden hohe Investitionen notwendig, was insbesondere in mittelständischen
Betrieben mit einer dünnen Kapitaldecke die bestehenden Probleme noch
verstärkte.

Auch ist mit einem hohen Automationsgrad meist eine sinkende Flexibilität hinsichtlich der Kundenwünsche verbunden, da nur noch standardisierte, über eine lange Zeit unveränderte Produkte wirtschaftlich zu fertigen sind.
Bereits die Ankündigung der Freisetzung von Mitarbeitern führte in vielen Unternehmen zu freiwilliger Kündigung gerade der leistungsfähigen Mitarbeiter. Freisetzungen selbst wurden sozialverträglich gestaltet, was zu Entlassungen junger, gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeiter einerseits und zu Frühpensionierungen erfahrener Kräfte führte. Ein schleichender Know-How-Verlust setzte ein.
Durch die jetzt sparsame Ausstattung der Betriebe mit
Personal und Verlängerung der Arbeitszeiten bzw. Überstunden
ergaben sich aufgrund hoher Arbeitsintensität weitere Qualitätsverschlechterungen.
Eine notwendige Intensivierung der Maßnahmen zur Qualitätssicherung
erwies sich als mit hohen Kosten verbunden, die aufgrund der Marktsituation
nicht über den Produktpreis an die Kunden weitergegeben werden konnten.
Zudem waren die Maßnahmen zur Qualitätssicherung hauptsächlich
auf das Aufspüren von Minderqualitäten in der Produktion ausgerichtet,
was letztlich nur zu höherem Ausschuß (der jetzt erst erkannt
wurde) führte. Zusätzlich hat sich das Betriebsklima durch diese
auf die Produktion "aufgesetzten" Maßnahmen aufgrund gegenseitiger
Schuldzuweisungen meist weiter verschlechtert.

Ausgewählte Gründe für das Scheitern
traditioneller betriebswirtschaftlicher Maßnahmen
Die traditionelle Betriebswirtschaftslehre geht von der
Konkretisierung der Unternehmensziele (z.B. Gewinn, Umsatz) für die
einzelnen betrieblichen Bereiche aus. In einer funktional orientierten
Unternehmung bedeutet dies z.B.
- Hohe Auslastung der Anlagen (Produktion)
- Niedrige Lagerkosten (Logistik)
- Niedrige Einkaufspreise für Rohstoffe und Teile (Einkauf)
- Termintreue, Flexibilität und kurze Lieferzeiten (Vertrieb)
- Einhaltung der Qualitätsvorgaben (Qualitätssicherung)

Das Verfolgen dieser Ziele durch einzelne Bereiche bzw. Abteilungen beeinflußt aber die Zielerfüllung in anderen Abteilungen.
Wirkungskette "Hohe Auslastung der Anlagen bzw.
Mitarbeiter"
Um einen Produktionsbereich bzw. einen administrativen
Bereich auslasten zu können, ist ein entsprechender Auftrags-/Arbeitsvorrat
notwendig. Bestehen an einem bestimmten Produktionstag Auslastungslücken,
wird ein eigentlich später zu fertigender Auftrag vorgezogen. Dadurch
erreicht man eine gleichmäßig hohe Auslastung.
Für die Logistik bedeutet dies aber Lagern der End-
bzw. Zwischenprodukte über einen längeren Zeitraum. Hierdurch
entstehen Kosten, die das Bereichsziel der Logistik, niedrige Lagerkosten,
beeinträchtigen.
Die Einkaufsabteilung befürwortet eine hohe Auslastung
der Produktion, da so eine Planung des Einkaufs einfacher ist und größere
Lose zu günstigen Einstandspreisen geordert werden können.
Für den Vertrieb ist das Vorziehen von Aufträgen
einerseits vorteilhaft, die Termintreue ist sichergestellt, andererseits
sind Änderungen aufgrund neuer Markt- bzw. Kundenwünsche nicht
möglich.
Die Qualitätssicherung wird bei hoher Auslastung
von Maschinen und Mitarbeitern Qualitätsprobleme erwarten und sieht
ihr Qualitätsziel in Gefahr.

Wirkungskette "Just-In-Time durch niedrige Bestände"
Durch Reduzierung der Bestände kann die Logistik
ihre Kosten reduzieren und Ziele erfüllen.
Für die Produktion bedeutet das, daß nur noch
kurzfristig geplant werden kann. Um Termine dennoch einzuhalten müssen
Kapazitäten vorgehalten werden. Maschinen bleiben wegen Materialmangels
stehen.
Die Qualitätssicherung zeigt sich erfreut über
diesen Zustand, da doch eine niedrige Arbeitsintensität gute Arbeitsergebnisse
erwarten läßt.
Dieses Vorgehen führt aber meist zu verspäteter
Fertigung, was auch den Vertrieb in seiner Zielerreichung belastet. Andererseits
besteht bei kurzfristiger Just-In-Time Fertigung für den Vertrieb
noch die Möglichkeit, Änderungen am Endergebnis vorzunehmen.
Der Einkauf verliert die Möglichkeit, in großen
Losen einzukaufen und erhöht damit die Beschaffungskosten.

Wirkungskette "Kundenorientierung"
Um neue Kunden zu gewinnen bzw. Stammkunden zu halten,
versuchen immer mehr Unternehmen das Ziel "Kundenorientierung" als maßgeblich
für die Vertriebsaktivitäten zu definieren. Kundenorientierung
in diesem Zusammenhang bedeutet kurze und exakt eingehaltene Lieferzeiten
für die Produkte. Änderungen aufgrund der Marktdynamik müssen
kurzfristig möglich sein.
Diese Flexibilität wird in der Produktion durch
das Vorhalten von Kapazitäten erkauft.
Der Einkauf kann wegen geringer Stückzahlen keine
günstigen Einstandspreise erzielen.
Hohe Lieferbereitschaft bedeutet vorhalten von Materialien
und damit hohe Lagerbestände, was negativ für die Logistik ist.
Aufgrund kurzer Lieferzeiten kann es zu Qualitätsproblemen
kommen, da die Produkte unter hohem Zeitdruck gefertigt werden müssen.
Die Wirkungskette zeigt, daß hinsichtlich der Zielerreichung
keine betriebliche Funktion außer dem Vertrieb erfreut über
diese Unternehmensstrategie sein kann.

Fazit
Anhand dieser exemplarischen Betrachtung, die so auch
für Dienstleistungsbetriebe gilt, wurde gezeigt, daß das Einhalten
bereichsspezifischer Zieldefinitionen kontraproduktiv im Gesamtunternehmen
wirkt. Die einzelnen Abteilungen versuchen gegeneinander ihre Ziele durchzusetzen.
Die Unternehmung gerät in einer ungünstigen Marktsituation unweigerlich
tiefer in die Krise.
Reintegration arbeitsteiliger Prozesse durch Geschäftsprozesse
Die als Taylorismus in die Organisationstheorie eingegangene
Aufteilung von Produktionsabläufen in für einen einzelnen Arbeiter
leicht zu beherrschende Teilaufgaben führte seit Beginn dieses Jahrhunderts
zu einer weitgehenden Spezialisierung der Belegschaft im Produktionsbereich.
Verstärkt wurde diese Entwicklung noch durch die Entwicklung moderner
Produktionsverfahren, insbesondere dem Fließprinzip in der Fertigung.
Gleichzeitig wurden die Verantwortlichkeiten für
die geplante Produktion an eben dieser Spezialisierung ausgerichtet. Es
entstand eine funktionsorientierte Organisation der Unternehmen.
Diese Entwicklung erfolgte ebenfalls in der Verwaltung
der Unternehmen, was zu spezialisierten Sachbearbeitertätigkeiten
in den unterschiedlichen kaufmännischen Bereichen führte. Beispiele
hierfür sind Anlagen-, Kreditoren- und Debitorenbuchhalter im Rechnungswesen.
Es stellte sich immer mehr heraus, daß dem Mitarbeiter
zumindest während der Ausbildung Tätigkeiten in sämtlichen
betrieblichen Teilbereichen zu ermöglichen sind, um einen Überblick
über das betriebliche Geschehen zu erlangen. Erst anschließend
erfolgte dann innerbetrieblich eine Spezialisierung auf bestimmte Aufgaben.
Dieses System wurde immer weiter perfektioniert (z.B. Trainee-Programme).
Versuchen allerdings, Teilaufgaben zentral durch die
Unternehmensführung mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung
exakt zu steuern (Operations Research), waren außer bei einigen exakt
vorherbestimmbaren Produktionsverfahren, die sich an physikalischen oder
chemischen Prozessen ausrichten, kein Erfolg beschieden.
Der Hauptgrund hierfür liegt in der fehlenden Stabilität
der Abläufe. Die Berücksichtigung sämtlicher Varianten und
Störungen, z.B. bei stückorientierter Fertigung oder in der Verwaltung,
konnte bei der Implementierung entsprechender Systeme nicht berücksichtigt
werden. Auch die Abbildung des Spezialwissens der Mitarbeiter über
die Produktionsprozesse (Heuristiken) in Expertensystemen brachte keine
befriedigenden Lösungen. Schließlich begnügte sich die
Softwareindustrie damit, Systeme zur Entscheidungsfindung (bzw. zur Reaktion
auf eintretende Ereignisse) und Darstellung der Konsequenzen von Entscheidungen
zu entwickeln (z.B. Fertigungsleitstände). Moderne Planungs- und Steuerungssysteme
sind daher auf einen mittelfristigen Zeithorizont ausgerichtet. Die exakte
Durchsetzung der Aufgaben wird den Mitarbeitern vor Ort überlassen,
was übrigens auch für die kaufmännischen Tätigkeiten
gilt.
Ende der 80er Jahre kam es, wie geschildert, zu einer
Krise der funktionalen betrieblichen Organisation. Insbesondere die Orientierung
der Unternehmen an den Wünschen der Kunden führte zur Forderung
nach Flexibilisierung der Abläufe. Man erreichte dies durch die Einrichtung
von Arbeitsgruppen, die die Aufgabe hatten, Vorgaben selbständig und
eigenverantwortlich umzusetzen. Dem Vorgesetzten, der für mehrere
dieser Gruppen verantwortlich war, kam immer mehr die Aufgabe eines Beraters
bzw. Vermittlers zwischen im Produktionsprozeß vor- und nachgelagerten
Gruppen zu. Gleichzeitig wurden große Betriebe in immer kleinere
Einheiten zerlegt. Dabei hatte jeder Teilbetrieb sämtliche technischen
und betriebswirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen. Lediglich die Erfolgskontrolle
erfolgte über die Konzernzentrale.
Diese Neustrukturierung wurde unter dem Begriff des „Lean-Managements“
bekannt. Es ging darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung unter Auflösung
sämtlicher funktionaler Hierarchien von einer Gruppe von Mitarbeitern
unterschiedlichster Qualifikation unter Einbeziehung sämtlicher hierfür
notwendigen Tätigkeiten erstellen zu lassen. Diese Gruppen können
dann auf Kundenwünsche schnell und ohne Durchlaufen einer zeitverzehrenden
Bürokratie am Markt agieren. Die Aufteilung und Zuordnung von Aufgaben
auf Mitarbeiter bleibt allein der Gruppe vorbehalten. Bei den Mitarbeitern
ist eine weitgehende Flexibilität hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten
Voraussetzung. Die früher arbeitsteiligen Tätigkeiten werden
zu sogenannten Geschäftsprozessen zusammengesetzt, die für jede
Funktion im Unternehmen die Tätigkeiten mit den benötigten Ressourcen
(Personal, Material) und Informationen (z.B. Aufträge, Beschreibungen)
definieren. Sie sind jedem Mitarbeiter bekannt und verbindlich.
Qualitätsmanagement
Der zweite wichtige Faktor hin zu einer den gesamten
Produktions- bzw. Geschäftsprozeß berücksichtigenden Unternehmensorganisation
ist die Produktqualität. Fehler, die in einem sehr frühen Stadium
der Produktion an einem geringwertigen Teil eines komplexen Produktes auftreten
und nicht erkannt werden, entwickeln hinsichtlich der Weiterverarbeitung,
der Produktqualität und damit der Gewährleistung Kosten, die
den Teilewert um ein Vielfaches überschreiten
Da Unternehmen heute die Haftung für Produktionsfehler
übernehmen müssen, ist es nötig, Regreßansprüchen
mit einem entsprechenden Nachweis für korrekte Planung und Produktion
begegnen zu können. Großunternehmen verlangen in diesem Zusammenhang
von ihren Zulieferern immer häufiger den Nachweis kontrollierter und
standardisierter Abläufe.
Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssen
Produkt und Qualitätsmanagement eines Unternehmens anhand der international
gültigen Normen ISO 9000 ff. geprüft werden und erhalten bei
Erfolg eine entsprechende Zertifizierung.
Diese Prüfungen sind nicht auf die technische Seite
von Produktionsbetrieben beschränkt, sondern betreffen auch den kaufmännischen
Bereich und Dienstleistungsunternehmen.
Die Qualität der Produkte selbst läßt sich durch die Zertifizierung nicht zwangsläufig verbessern. Vielmehr muß die Produktqualität zu jedem Zeitpunkt der Leistungserstellung und der administrativen Abläufe im Zentrum des Handelns der Mitarbeiter stehen. Ein Ansatz hierfür ist das Total Quality Management (TQM), das folgende Grundsätze beinhaltet:
- Primat der Qualität (Quality First)
- Zuständigkeit aller Mitarbeiter
- Ständige Verbesserung (Kaizen)
- Kundenorientierung Innerbetriebliche Kunden-Lieferanten Beziehung, d.h. das innerbetriebliche Verhalten der Mitarbeiter untereinander erfolgt nach den Grundsätzen des außerbetrieblichen Umgangs mit Kunden
- Prozeßorientierung, d.h. jeder Mitarbeiter an beliebiger Stelle im Geschäftsprozeß weiß um die Auswirkungen seines Handelns für vor- bzw. nachgelagerte Stellen.
Untersucht man die heute erfolgreich am Markt operierenden deutschen Unternehmen, so erkennt man, daß sie sich dem globalen Wettbewerb stellen und auch in der Lage sind in Deutschland kostengünstig zu produzieren. Sie arbeiten kundenorientiert, flexibel und liefern innovative Produkte zu akzeptablen Preisen.
Dabei definieren Sie unternehmensspezifische Abläufe, die dann von den Mitarbeitern standardisiert angewendet werden, um eine Stabilität der Prozesse sicherzustellen. Dabei werden sämtliche am Geschäftsprozeß beteiligten Ressourcen berücksichtigt.

Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Mitarbeiter qualifiziert und ständig weitergebildet werden.
Mitarbeiter, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden können oder wollen, gefährden in starkem Maße den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bzw. die Arbeitsplätze und werden freigesetzt.
Kosten- und Leistungsaspekte bleiben selbstverständlich als mitentscheidende betriebliche Erfolgsfaktoren bestehen.
Prozeßorientiertes Rechnungswesen
Das betriebliche Rechnungswesen liefert die Beurteilungs-
und Entscheidungshilfen für unternehmerisches Handeln. In einer funktionalen,
bereichsorientierten Betriebswirtschaftslehre werden die Kosten einzelner
Kostenstellen erfaßt und nach einem bestimmten Schlüssel den
Produkten zugeordnet. Neuere Studien haben aber gezeigt, daß nur
noch ca. 40% der Kosten direkt zuzuordnen sind. 1960 waren es noch 70%.
Es ist zu erwarten, daß dieser Wert noch weiter sinken wird. In der
klassischen Kostenrechnung sind also die Instrumentarien ausgereift, führen
aber in einer prozeßorientiert arbeitenden Unternehmung zu Fehlurteilen.

Aus diesem Grund versucht das prozeßorientierte Rechnungswesen, die Kosten Geschäftsprozessen zuzuordnen.
Hierfür werden zuerst die einzelnen Tätigkeiten identifiziert. Die Tätigkeiten werden unter einer gemeinsamen Bezugsgröße zu Teil- uns Hauptprozessen zusammengefaßt. In einer Vollkostenrechnung werden noch Gemeinkosten, z.B. Leitungskosten, auf die Teilprozesse verteilt. Bei einer Teilkostenrechnung werden die mengenfixen Kosten in einer kostenstellenübergreifenden Position gesammelt und später prozentual auf die Prozeßkosten verteilt.
Beispiel:
Die Tätigkeiten "Angebot einholen", "Bestellung
aufgeben" und Reklamation bearbeiten" lassen sich unter der Bezugsgröße
"Anzahl" zum Prozeß Bestellabwicklung zusammenfassen. Die Kosten
für die Leitung dieses Bereichs werden auf die einzelnen Tätigkeiten
verteilt.
| Teilprozeß | Typ | Maßgröße | Plankosten | Plan-
prozeß- menge |
Prozeß-
kostensatz (lmi) |
Umlage-
satz (lmn) |
Gesamt
-prozeß- kostensatz |
||
| Angebot einholen | var |
Anzahl der Angebote
|
300.000,00 DM
|
/
|
1.200,00
|
=
|
250,00 DM
|
21,28 DM
|
271,28 DM
|
| Bestand aufgeben | var | Anzahl der Bestellungen |
70.000,00 DM
|
/
|
3.500,00
|
=
|
20,00 DM
|
1,70 DM
|
21,70 DM
|
| Reklamation bearbeiten | var | Anzahl der Reklamationen |
100.000,00 DM
|
/
|
100,00
|
=
|
1.000,00 DM
|
85,11 DM
|
1.085,11 DM
|
| Abteilung leiten | fix |
|
40.000,00 DM
|
fix: mengenfix
Der Prozeßkostensatz für die Tätigkeit
"Angebot einholen errechnet sich aus:
Prozeßkostensatz= Plankosten / Planprozeßmenge
= 300.000 DM / 1.200 Stück = 250 DM/Stück
Der Umlagesatz für die Tätigkeit "Angebot einholen"
errechnet sich aus:
Umlagesatz = (Leitungskosten/Summe
Plankosten) * Prozeßkostensatz
= (40.000 DM / 470.000 DM) * 250 DM = 21,28 DM
DV-technische Prozeßunterstützung
Die immer kürzeren Reaktionszeiten im Unternehmensalltag
erfordern eine durchgängige informationstechnische Unterstützung
der Geschäftsprozesse. DV-Systeme müssen daher auf einer unternehmensweiten
Datenbank basieren und die Ausführung der Prozesse mit entsprechender
Funktionalität unterstützen. Die Programme lassen sich an ständig
ändernde Prozesse anpassen. Auch ein Zugriff auf das weltweite Datennetz
zur Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und Zweigwerken ist notwendig.

Mitarbeiter in prozeßorientierten Unternehmen müssen zukünftig in der Lage sein, verschiedenartige Tätigkeiten zu übernehmen. Dabei wird nicht erwartet, daß für jede Tätigkeit tiefe Fachkenntnisse bereits vorhanden sind, diese veralten heute viel schneller als noch vor 20 Jahren, vielmehr sollen die Arbeitnehmer lebenslang flexibel genug sein, sich kurzfristig das nötige Wissen effizient anzueignen.

Um die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten sicherzustellen, ist die Ausdrucks- und Teamfähigkeit der Mitarbeiter weiterzuentwickeln.
In der Berufsschule gilt es nun, diese Kompetenzen zu entwickeln bzw. zu fördern.
Anforderungen an den Unterricht in kaufmännischen
Schulen
Im Rahmen von Unterrichtsfächern wie Rechnungswesen,
allgemeine Wirtschaftslehre, spezielle Betriebswirtschaftslehre und Datenverarbeitung
wird heute den Schülern je Fach eine geschlossene theoretische Struktur
vermittelt. Anschließend fällt die Einordnung des Gelernten
in den betrieblichen Alltag immer schwerer, da die Abläufe im Betrieb
immer weniger dieser Struktur gehorchen.
Die Thematisierung von Geschäftsprozessen im Unterrichtsablauf
ermöglicht es den Schülern, eine ganzheitliche Sicht der betrieblichen
Zusammenhänge zu erhalten. Damit können auch im späteren
beruflichen Alltag komplexe und häufig wechselnde Tätigkeiten
wahrgenommen und fachwissenschaftlich strukturierte Lerninhalte eingeordnet
werden. Entscheidend für den Lernerfolg ist hierbei die geeignete
Kombination der Vermittlung von Grundkenntnissen einerseits und handlungsorientiertem
Unterricht in Geschäftsprozessen andererseits.
Ein großer Vorteil des Prozeßgedankens ist
die Unterstützung offener Unterrichtsformen wie Projektunterricht,
Gruppenarbeit oder fächerverbindenden/-übergreifenden Unterricht.

Ein weiterer oft geäußerter Vorwurf ist der erhöhte Zeitaufwand durch die Wiederholung von Lernstoff, z.B. bei mehrfach vorkommenden Tätigkeiten innerhalb eines Prozesses bzw. über mehrere Prozesse hinweg. Auch die zusätzliche Vermittlung des Prozeßgedankens in jedem Geschäftsprozeß bedeute erhöhten Zeitaufwand. Hierbei wird allerdings oft übersehen, daß Lernstoff auch prozeßorientiert nur einmal intensiv vermittelt wird und, bei Wiederkehr, Lerninhalte nur angewendet bzw. wiederholt werden. Richtig ist, daß der Unterricht von Geschäftsprozessen ohne Restrukturierung der fachwissenschaftlichen Inhalte/Fächer zusätzlichen Zeitaufwand bedeutet.
Der prozeßorientierte Unterricht betrachtet die
fachwissenschaftlichen Aspekte einer konkreten Handlungssituation im fächerübergreifenden
Kontext. Die bedeutet im kaufmännischen oder technischen Bereich,
daß für die Durchführung eines Prozeßschrittes Kenntnisse
über den Prozeß selbst, seine ablauforganisatorische Einbettung,
die betriebswirtschaftlichen Sachverhalte und die DV-gesteuerte Abarbeitung
vorhanden sein müssen. Hierbei können wichtige Kenntnisstrukturen
durchaus frontal bzw. fragenderarbeitend entwickelt werden. Die Zusammenführung
in Prozeßschritten muß aber sichergestellt sein.

- Auslöser (= Ereignisse),
- Teilverfahren (= Funktionen),
- die dafür benötigten Informationen (= Daten)
- und der Zusammenhang der Verfahren (= Ablauf)
In der Praxis gewinnt man die Geschäftsprozesse durch die klassischen Methoden der Systemanalyse, z.B. durch
- eine Ist-Analyse, die die bestehenden Prozesse erfaßt und dokumentiert,
- eine Schwachstellenanalyse, die auf Basis der Ist-Analyse Rationalisierungspotentiale auf-spürt und
- ein Soll-Konzept, das den optimierten Geschäftsprozeß beschreibt.
Um insbesondere mittleren und kleineren Unternehmen Hilfestellung bei der Geschäftsprozeßmodellierung zu leisten, gehen immer mehr Anbieter von betrieblicher Anwendungssoftware oder auch Beratungshäuser dazu über, standardisierte Prozesse, sogenannte Referenzmodelle, die mit dem Design ihrer Programme übereinstimmen, für ihre Kunden an die tatsächlichen betrieblichen Gegebenheiten anzupassen. Diese Vorgehensweise spart Zeit und Kosten, vernachlässigt aber meist betriebsspezifische Nutzenpotentiale.
In der Schule müssen betriebliche Geschäftsprozesse didaktisch reduziert und auf die Leistungsfähigkeit der Schüler zugeschnitten werden. Dabei sind Beispiele aus der betrieblichen Praxis ebenso denkbar wie Prozesse aus dem privaten wirtschaftlichen Erfahrungskreis der Schüler.
Im schulischen Alltag werden die Begriffe Lernfelder und Geschäftsprozesse oft synonym verwandt. Dabei beschreibt ein Lernfeld einen betrieblichen Handlungsbereich. In funktionsorientierten Betrieben würde dies zwangsweise dazu führen Lernfelder nicht prozeß- sondern funktionsorientiert zu beschreiben. Damit wäre keinerlei Verbindung zu Geschäftsprozessen hergestellt. Geschäftsprozessen sind in der betrieblichen Ablauforganisation verwurzelt. Zweck ist es das betriebliche geschehen auch im Hinblick auf den Einsatz der DV-Technik zu beschreiben. Eine Anwendung im schulischen Bereich war nie geplant. Die Fehlinterpretation, daß Lernfelder und Geschäftsprozesse übereinstimmen resultiert eher daraus, daß moderne Betriebe prozeßorientiert arbeiten und lernfeldorientierte Lehrpläne versuchen, diesem Umstand Rechnung tragen. Andererseits enthalten bestimmte Lehrpläne auch klassische Fächerstrukturen (z.B. die Lehrpläne der IT-Berufe das Lernfeld „Englisch“), die keinerlei Lernfeldcharakter haben. Lernfelder und Geschäftsprozesse haben also absolut nichts miteinander zu tun. Die Verbindung ist rein zufällig.
Sichten und Schichten der Geschäftsprozeßmodellierung
Die Geschäftsprozeßmodellierung verbindet
den Betrachtungsgegenstand der Organisationstheorie, Aufbau- und Ablauforganisation,
mit der Kybernetik, Hardware und Software.
Nach Scheer spielen vier Dimensionen oder Sichten eine Rolle: Organisation, Prozeßsteuerung, Daten und Funktionen.
Im Rahmen der Organisationssicht werden die Bearbeiter betrieblicher Prozesse und ihre zugehörigen Organisationseinheiten bestimmt. (z.B. beim Wareneingang: der Arbeiter "Maier" aus der Abteilung Lager, der Sachbearbeiter Müller aus dem Einkauf, die Sachbearbeiterin Schmidt aus der Buchhaltung).
Die Datensicht beschreibt die Zustände der am Prozeß beteiligten Informationsobjekte. (z.B. beim Wareneingang: Status “Bestellung eingetroffen” in der Tabelle “Bestellungen”, Lagerbestand “200” in der Tabelle “Bestände”, Status “Zahlungsziel ausnutzen” in der Tabelle “offene Rechnungen”...)
Die Funktionssicht enthält die Methoden und zugehörige Teilmethoden eines Geschäftsprozesses. (z.B. beim Wareneingang: “Warenannahme”, “Wareneingangsprüfung”, “Wareneinlagerung”, “Rechnungsprüfung”...).
Funktionen werden immer durch Ereignisse angestoßen. (z.B. beim Wareneingang: Ereignis “Ware trifft ein” löst Funktion “Warenannahme” aus). Umgekehrt erzeugen Funktionen wieder Ereignisse, die andere Funktionen auslösen. (z.B. beim Wareneingang: Funktion “Warenannahme” löst Ereignis “Wareneingangsprüfung” aus). Dabei können auch unterschiedliche Ereignisse, abhängig vom Ergebnis der Funktion erzeugt werden. (z.B. beim Wareneingang: Funktion “Warenprüfung” löst entweder Ereignis “Ware in Ordnung” oder “Ware fehlerhaft” aus). Das Zusammenspiel von Funktionen und Ereignissen beschreibt den Prozeßablauf bzw. die Prozeßsteuerung.
Funktionen lassen sich wiederum in Unterfunktionen bzw. Unterabläufe aufteilen bzw. zu übergeordneten Funktionen bzw. Abläufen aggregieren. Man spricht in diesem Zusammenhang von Schichtenmodell.
Bei der professionellen Modellierung wird für jede dieser Sichten ein Fachkonzept, ein DV-Konzept und eine Implementierung vorgesehen.
Das Fachkonzept beschreibt die Soll-Geschäftsprozesse. Dabei ist der Modellierer in der Wahl der Darstellungsinstrumente frei. Scheer macht allerdings einen Vorschlag zur Darstellung in ereignisgesteuerten Prozeßketten (EPK), der sich in der Praxis häufig wiederfindet.
Das DV-Konzept übersetzt und konkretisiert die Anforderungen des Fachkonzepts an die Begriffswelt der Datenverarbeitung. Beschreibungsgegenstände sind Datenbankdesign (z.B. Entity-Relationship-Modelle), Funktionsbeschreibung (z.B. Struktogramme), Maskenaufbau, Benutzersteuerung usw.
Bei der technischen Implementierung schließlich wird das DV-Konzept in ein konkretes System, bestehend aus Hard- und Software, umgesetzt. (z.B. auf dem Schul-PC mit objektorientierter (Visual-) Programmiersprache und Integration einer relationalen Datenbank mit SQL).
In der Schule ist für jeden Ausbildungsberuf bzw. Bildungsgang zu entscheiden, inwieweit die einzelnen Elemente der Prozeßmodellierung Eingang in den Unterricht finden sollen.
Für die meisten Berufe ist eine Erarbeitung von Soll-Geschäftsprozessen
aus betrieblichen oder privaten Alltagsbeispielen und ihre Darstellung
in EPK sinnvoll.
Zur Darstellung des Fachkonzeptes eignet sich eine vereinfachte Version der ereignisgesteuerten Prozeßkette nach Scheer. Dabei besteht die Darstellung aus folgenden Elementen:
Organisationseinheit
Die Organisationseinheit stellt die betriebliche Abteilung/Gruppe
dar, die eine Funktion verantwortlich ausführt. Es wird lediglich
der Abteilungs-/Gruppenname angegeben. Auf eine Angabe des Sachbearbeiters
wird verzichtet.
Funktion:
Eine Funktion ist ein Verfahrensteil, der von der zugeordneten
Organisationseinheit ausgeführt wird.
Ereignis:
Ein Ereignis, stößt eine Funktion an bzw.
wird von einer Funktion erzeugt. Dabei gibt es keine Funktionen ohne Eingangs-
bzw. Ausgangsereignis.
Informationsobjekt:
Ein Informationsobjekt basiert auf Elementen einer Datenbank
und wird zur Ausführung einer Funktion benötigt. In einem ersten
Schritt müssen Informationsobjekte nicht mit Tabellen bzw. Feldern
in einer Datenbank übereinstimmen.

Operatoren:
Operatoren verbinden bei der Auslösung von Funktionen
bzw. bei der Erzeugung von Ereignissen durch Funktionen alternative Ereignisse.

Die Anwendung der aufgeführten Elemente soll an folgendem kleinen Beispiel ohne Beteiligung eines DV-Systems erläutert werden:
Regeln bei der Erstellung einer Prozeßkette
Allgemeine Regeln
- Knoten sind Ereignisse, Funktionen und logische Konnektoren (UND, ODER, XOR)
- Gültige Konnektoren sind direkt mit Vorgänger- oder Nachfolgerknoten über Linien verbunden.
- Eine EPK wird durch ein Ereignis begonnen oder beendet.
- Eine EPK enthält mindestens eine Funktion EPK‘ können aus Teilketten zusammengesetzt sein.
- Alle Knoten müssen über Linien miteinander verbunden sein.
- Ereignisse können nicht direkt mit anderen Ereignissen verbunden werden.
- Alle Linien müssen beidseitig mit Knoten verbunden sein.
- Ein Ereignis kann nicht Vorgänger eines anderen Ereignisses sein.
- Ein Ereignis kann nicht Nachfolger eines anderen Ereignisses sein.
- Ein Ereignis hat nur einen Eingangspfeil
- Ein Ereignis hat nur einen Ausgangspfeil
- Ein Ereignis folgt oder geht einer Funktion voraus.
- Eine Funktion kann nicht Vorgänger einer anderen Funktion sein.
- Eine Funktion kann nicht Nachfolger einer anderen Funktion sein.
- Eine Funktion geht mindestens einem Ereignis voraus oder folgt mindestens einem Ereignis.
- Eine Funktion hat nur einen Eingangspfeil.
- Eine Funktion hat nur einen Ausgangspfeil
- Isolierte Konnektoren sind nicht erlaubt.
- Verwenden Sie Konnektoren um andere Knoten zu verbinden.
- Wenn sie andere Knoten verbinden, Konnektoren müssen mindestens zwei oder mehr eingehende Pfeile haben und mindestens einen ausgehenden Pfeil
- Verwenden Sie Konnektoren um Gabelungen in einer Prozeßkette zu erzeugen.
- Wenn sie andere Gabelungen realisieren, müssen Konnektoren mindestens zwei oder mehr ausgehende Pfeile haben und mindestens einen eingehenden Pfeil
- ODER oder XOR Konnektoren, die eine Gabelung in einer Prozeßkette darstellen, dürfen nicht einem Ereignis folgen
- Informationsobjekte beschreiben Entitytypen
- Informationsobjekte werden ausschließlich an Funktion geknüpft
- Bei der Verbindung von Funktion und Informationsobjekt beschreiben Pfeile Datenflüsse
- in Richtung der Funktion einen Eingangsdatenfluß für die Funktion („Lesen“)
- in Richtung des Informationsobjektes einen Datenfluß, der das Informationsobjekt bzw. die Attribute seiner Entities beeinflußt ("Schreiben")
- in beiden Richtungen zuerst das verwenden von Informationen durch die Funktion und dann das Modifizieren der Informationsobjekte im Anschluß („Lesen-Schreiben“)
- Organisationseinheiten werden Funktionen zugeordnet
- Organisationseinheiten werden über gestrichelte Linien mit Funktionenverbunden
- Organisationseinheiten beschreiben Stellen, keine Mitarbeiter
- Organisationseinheiten basieren auf dem Organigramm der Unternehmung
Fallbeschreibung:
Beim Wareneingang wird die Ware an der Laderampe entgegengenommen.
Dabei vergleicht der annehmende Lagerarbeiter den Lieferschein des LKW-Fahrers
mit den offenen Bestellungen aus seinem Ordner. Ist ein Bestellschein vorhanden,
so wird die Ware angenommen, ist kein Bestellschein vorhanden, wird der
Fahrer weggeschickt. Danach wird die Ware hinsichtlich Typ und Menge in
Augenschein genommen. Hierzu werden Lieferschein und Bestellschein verglichen.
Ist alles in Ordnung, erhält der Bestellschein den Stempel “Ware eingetroffen”
und wird abgeheftet, ist die Lieferung augenscheinlich fehlerhaft, wird
die “Annahme verweigert”, ist nur eine Teilmenge geliefert, wird die gelieferte
Menge vermerkt. Die Angaben werden auch auf dem Lieferschein notiert, von
dem eine Kopie einbehalten wird.
Organisationssicht
Die betriebliche Aufbauorganisation auf der eine ereignisgesteuerte
Prozeßkette basiert wird in einem klassischen hierarchischen Organigramm
abgebildet. Hieraus werden die Verantwortlichkeiten und die zugeordneten
Mitarbeiter erkenntlich. Die Abbildung zeigt das Organigramm eines Lagers.

Datensicht
Zur Darstellung eines Datenmodells soll ein einfaches
Entity-Relationship-Modell verwendet werden. n:m - Beziehungen sind aufgelöst,
so daß das Modell der aus MS-ACCESS bekannten Darstellung folgt.

In einem Datenmodell sind selbstverständlich keine handschriftlichen Eintragungen zulässig. In der neu eingeführten Tabelle “Wareneingänge” sind die teilgelieferten Mengen einer Bestellung mit Datum erfaßt. Zur Vereinfachung der Schlüssel wurde auf eine laufende Nummer zurückgegriffen.
Die ERM-Notation ist ebenfalls abgebildet.

Feldbeschreibung der relevanten Tabellen:
Relation Teile
(TeileNummer, Bezeichnung, Lagernummer,
TeileArt,...)
Relation Lieferer
(LiefererNummer, Name, PLZ,...)
Relation Bestellungen
(BestellNummer, Teilenummer, Menge, Preis,
Lieferernummer, Bestelldatum, LieferungKomplett)
Relation Eingänge
(Eingangsnummer, BestellNummer, Lieferdatum,
Menge, Teillieferung)
Erläuterung:
Primärschlüssel fett, Fremdschlüssel
unterstrichen, Teillieferung ist ein logisches Feld
Funktionssicht
Der Sachbearbeiter könnte in Zusammenarbeit mit
dem DV-Spezialisten die folgende Bildschirmmaske zur Unterstützung
der Bearbeitungsfunktion vorschlagen:
Nach Eingabe der Bestellnummer laut Lieferschein erscheint die Bestellung samt Historie. Der Sachbearbeiter kann jetzt seine Aufgaben durchführen und die Lieferung sachgerecht erfassen.
Die Masken können in einer ereignisorientierten,
visuellen Programmiersprache (z.B. Visual Basic, VBA, Delphi) mit Zugriff
auf eine Datenbank (z.B. MS-Access, Interbase) realisiert werden.

Prozeßkette mit manueller Abwicklung (Ist-Analyse):
Die Verbindung erfolgt mit Hilfe von Pfeilen. Dabei bedeutet ein Pfeil mit Doppelspitze, daß Informationen in die Funktion ein- und zurück fließen. Ein einfacher Pfeil gibt den Informationsfluß an.
Die Verbindung zwischen Ereignissen und Funktionen erfolgt
mit einfachen Pfeilen. Erzeugt eine Funktion unterschiedliche Ausgangsereignisse,
wird ein Operator zwischengeschaltet.

Prozeßkette mit automatisierter Abwicklung im DV-System (Soll-Konzept)
Bei DV-gestützter Abwicklung wird ein neues Informationsobjekt “Wareneingänge” eingeführt.
Dieses dient der DV-technischen Erfassung von Teilmengenlieferungen.
Identifiziert werden die Wareneingänge über
einen eigenen Schlüssel. Durch die Einführung der Tabelle “Wareneingänge”
ist auch eine Kontrolle über den Stand einer bzw. aller Lieferungen
bzw. eine Lieferhistorie möglich. In der manuellen Abwicklung sind
diese Informationen nur mühsam zu gewinnen.

DV-Konzept – Technische Konzeption
Zur Umsetzung wird ein ereignis-/objektorientiertes Programmiersystem
und eine relationale Datenbank verwendet. Das System soll lauffähig
auf einem PC mit 32bit-Microsoft-Betriebssystem sein. Es soll ein Standard-Pentium–Rechner
eingesetzt werden.
Technische Implementierung
Bei der technischen Implementierung kann in diesem Fall
z.B. das Softwareentwicklungssystem Visual-Basic unter Windows 95 und die
Datenbank MS-Access verwendet werden. Dabei wird ein Zugriff mittels SQL
auf die Datenbank realisiert. Dieses Vorgehen findet sich z.B. im aktuellen
Lehrplan des BK II wieder.
Prozeßorientierung ist keine betriebswirtschaftliche Modeerscheinung sondern eine ganzheitliche Vorgehensweise bei der Strukturierung komplexer Abläufe und als solche universell einsetzbar.
Durch die Leistungsfähigkeit der modernen Datenverarbeitung wird dieser Ansatz in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.
