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Einsatz von Computern und Multimedia


Uta Lange


Inhaltsverzeichnis:

Multimedia im Kontext von Gesellschaft, Wirtschaft und Bildung*

Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft *
Literatur zum Thema: *
Neue Medien als pädagogische Herausforderung *

Veränderte Erfahrungswelt - veränderte Mediennutzung *
Medienkompetenz als Herausforderung der modernen Kommunikationstechnologien an die Beruflichen Schulen *
Historische Entwicklung *
Erwartungen an die Wirksamkeit des Computereinsatzes *
Literatur zum Thema *

Didaktik, Medien und Lernen * Didaktik und Medien *
Lernen mit Neuen Medien *
Literatur zum Thema: *

Multimedia im Kontext von Gesellschaft, Wirtschaft und Bildung

"Mit Erfindung und zunehmend breiter werdender Nutzung der Informationstechnik ändern sich jedoch seit den 70er Jahren die Verhältnisse sehr grundsätzlich: Es ist nicht mehr nötig, für die Fülle der kognitiven Routineprozesse und zunehmend auch für kompliziertere kognitive Aufgaben auf menschliche Informationsverarbeitung zurückzugreifen [...] Dadurch wird der alte "Arbeitsmarkt" von einem ganz neuen "Markt kognitiver Prozesse" verdrängt, d.h. die Gesellschaft kann in fast allen Bereichen entweder auf menschliche Arbeit oder auf informationstechnische Systeme und Infrastrukturen zurückgreifen."

(Klaus Haefner)
 

" Es hat viele Diskussionen über ´Computer und menschliches Denken´gegeben. Der Schluß, der sich mir aufdrängt, ist hier, daß die relevanten Probleme weder technischer noch mathematischer, sondern ethischer Natur sind. [...] Die wichtigste Grundeinsicht, die uns daraus erwächst, ist die, daß wir zur Zeit keine Möglichkeiten kennen, Computer auch klug zu machen, und daß wir deshalb im Augenblick Computern keine Aufgaben übertragen sollten, deren Lösung Klugheit erfordert"

(Joseph Weizenbaum)


Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft

In den letzten Jahren ist eine rasante Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien zu beobachten, die Auswirkungen auf weite Teile des privaten und öffentlichen Lebens hat. In der Debatte um Möglichkeiten und Grenzen der Neuen Medien werden zwei sich gegenüberstehende Positionen deutlich: Während auf der einen Seite die Chancen, die sich aus der Nutzung der neuen Technologien ergeben, betont werden, werden auf der anderen Seite vor allem die Risiken und Beschränkungen thematisiert.

Mit dem Begriff "Informationsgesellschaft" verknüpfen sich Vorstellungen einer Gesellschaft, in der Informationsbeschaffung und Informationsbearbeitung höchste Priorität haben. Das Internet ist in diesem Szenario Plattform unterschiedlichster Dienste: Homebanking und Teleshopping, Telearbeitsplätze und virtuelle Schulen, Videokonferenzen und Kommunikation via email.

Diesen Erwartungen grundlegender Umgestaltungen stehen kritische Positionen gegenüber, die von wesentlich langsameren Entwicklungsprozessen ausgehen und die die Auswirkungen auf das tägliche Leben als wesentlich geringer einschätzen. Weitere Einwände kommen aus der Erfahrung, daß in der Vergangenheit die Entwicklungsgeschwindigkeiten und besonders die gesellschaftliche Akzeptanz von neuen Medien wie BTX und Digitalfernsehen überschätzt wurde.

Der Bildungsbereich steht vor dem Problem, junge Menschen auf die sich schnell entwickelnden und verändernden Technologien vorbereiten zu müssen. Den Schülerinnen und Schülern müssen Kenntnisse und Fertigkeiten zum Umgang mit den Neuen Medien vermittelt werden, die individuell und gesellschaftlich bedeutsam und zukunftsrelevant sind, denn es lassen sich die folgenden Entwicklungstendenzen lassen aufzeigen, die auch für den Bildungsbereich von Bedeutung sein könnten:

"Information" erhält zunehmend größere Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Verlagerung der Arbeitsplätze hin zu informationsintensiven Branchen und Bereichen belegt dies.

"Wissensklüfte" entstehen, die Gesellschaft splittet sich global in die Gruppe, die über Zugang zum Netz der Netze verfügt und diejenigen, die keinen Zugang haben.

Mit der Entwicklung und zunehmenden Nutzung der neuen Informations- und Kommunikations-technologien haben sich bei Organisationen wie Unternehmen, Hochschulen, Verbänden etc. bisher vorherrschende Muster der Kommunikation und Verfahren der Informationsspeicherung tiefgreifend verändert. Daraus ergeben sich neue Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte, die ihrerseits neue Organisationsstrukturen ("business reengineering", Geschäftsprozeßorientierung, electronic commerce) entstehen lassen.

Herkömmliche Medien wie TV, Printmedien und Radio werden künftig auch alternativ über das Internet sowohl für berufliche als auch private Nutzung verfügbar sein bzw. sind es bereits.

Die Menschen werden mit einem neuem Werbe- und Konsummedium auf vernetzter Basis konfrontiert (Infotainment).

Das Lernen wird sich zumindest in Teilen von den traditionellen Bildungsinstitutionen weg zum Telelernen verändern, die Forderung nach dem Lebenslangen Lernen soll erwartungsgemäß insbesondere unter Einsatz der Neuen Medien umgesetzt werden.

Der Einsatz dieser Medien wird zu weitreichenden Veränderungen führen, wobei auch auf die Bildungs- und Erziehungseinrichtungen neue Herausforderungen zukommen. Die Schulen sind hier in ihrer Aufgabe gefordert, die Schülerinnen und Schüler auf Veränderungen in Beruf und Gesellschaft vorzubereiten, und müssen sich mit den zu erwartenden, auch problematischen, Begleiterscheinungen auseinandersetzen.

Literatur zum Thema:

Haefner, Klaus: Denkzeuge. Was leistet der Computer? Was muß der Mensch selbst tun? Basel 1987

Negroponte, Nicholas: Total digital. München 1997

Stoll, Clifford: Die Wüste Internet. Geisterfahrten auf der Datenautobahn. Frankfurt/M. 1996

Weizenbaum, Joseph: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft. Frankfurt/M. 1978



Neue Medien als pädagogische Herausforderung

"Der gesellschaftliche Wandel verlangt unbestreitbar nach Innovationen in der Bildung. Schulen und Universitäten, die Institutionen der Weiterbildung und der beruflichen Bildung müssen diesen Innovationsauftrag annehmen. Dabei sollten die Bildungseinrichtungen konsequent die Potentiale der neuen Medien und Kommunikationstechnologien für die Bewältigung ihrer neuen pädagogischen Aufgaben einsetzen und als Motor der Bildungsreform nutzen." (Ingrid Hamm)

"Es ist wichtig, sich bei der Beurteilung der möglichen Funktionen und Einsatzmöglichkeiten der Hypermedia-Lerntechnlogie nicht von dem ungenügenden heutigen Stand der Technologie leiten zu lassen, sondern ihn als historisch bedingten Status zu relativieren. Es ist aber ebenso wichtig, Visionen zu haben und bei der Einschätzung des zukünftigen Einsatzes von Hypermedia im Unterricht nicht beim heutigen Stand stehen zu bleiben. (Rolf Schulmeister)



Veränderte Erfahrungswelt - veränderte Mediennutzung

In allen Bevölkerungsschichten ist ein Trend zu einem durch (audio-visuelle) elektronische Medien geprägten Lebensstil beobachtbar. Die Gruppe der heute 14- bis 18jährigen ist die erste mit dem Computer aufgewachsene Generation. Die von der Zeitschrift BRAVO 1998 beim Emnid-Institut in Bielefeld in Auftrag gegebene Studie "Generation BRAVO" untersucht Einstellungen von Jugendlichen zu den Themenbereichen Computer, Multimedia und Internet, sowie damit verbunden zu Schule und Beruf.

Knapp die Hälfte der Befragten gab an, täglich oder mehrmals wöchentlich einen Computer zu nutzen, 12% nutzen ihn dagegen nie. Auffallend sind die Unterschiede bei Mädchen und Jungen. Nur jedes zehnte Mädchen, aber immerhin jeder vierte Junge gab an, den Computer täglich zu nutzen. Bei den "Nie-Nutzern" ergab sich das umgekehrte Bild: Nur jeder zwölfte Junge, aber jedes siebte Mädchen ordnete sich in diese Gruppe ein.

Dieser Unterschied kann darauf zurückzuführen sein, daß Jungen über mehr technische Medien verfügen und Eltern eher bereit sind, ihren Söhnen einen Computer zur Verfügung zu stellen als ihren Töchtern. Zwischen Zugangsmöglichkeiten und Einstellungen zu Computern bestehen Verbindungen, die Vertrautheit mit dem Computer ist ganz entscheidend für die Akzeptanz. Eine Aufgabe von Schule liegt in diesem Bereich im Ausgleich der Geschlechterdifferenz.

Der selbstverständliche Umgang mit Multimedia-Technologien beeinflußt auch die Einstellung der Jugendlichen zu technologischen Entwicklungen. Die Jugendlichen stehen den Neuen Medien aufgeschlossen, aber nicht unkritisch gegenüber. Sie erwarten eine Verbesserung der Lebensqualität durch Computer und moderne Technologien, sehen aber gleichzeitig die Gefahren in der Isolation des Einzelnen und der Sicherheit der Privatsphäre und Datensicherheit. Mehr als 90% der Jugendlichen folgern aus der zunehmenden Bedeutung der Neuen Medien die Notwendigkeit, sich mit Computer und Multimedia auszukennen, um so die neuen Möglichkeiten auch sinnvoll nutzen zu können.

Medienkompetenz als Herausforderung der modernen Kommunikationstechnologien an die Beruflichen Schulen

Voraussetzung für den reflektierten, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit den Neuen Medien ist Medienkompetenz.

Die Neuen Medien tauchen nicht nur als ein (Multi-)Medium neben anderen, beispielsweise audiovisuellen, Medien auf, sondern sind zugleich auch ein gesellschaftliches Phänomen und daher Inhalt und Gegenstand kritischer Auseinandersetzung.

Eine Aufgabe von Schule besteht darin, Unterschiedlichkeit des Vorwissens auszugleichen. Die bereits bestehende Kluft zwischen denen, die bereits Erfahrungen und Fähigkeiten im Umgang mit den IuK-Technologien erworben haben, und denen, die bisher keine Möglichkeit dazu hatten, soll so geschlossen bzw. zumindest verringert werden.

Gerade im Bereich der beruflichen Bildung ist eine Auseinandersetzung mit den Neuen Medien wichtig, weil viele Ausbildungsberufe direkt von den Auswirkungen der Informations- und Kommunikationstechnologien betroffen sind. Medienerziehung wird innerhalb der beruflichen Bildung zu einer zentralen Aufgabe: Während in der Industriegesellschaft für nahezu alle Beschäftigten das Beherrschen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen notwendig war, so kommt in der sogenannten Informationsgesellschaft der Medienkompetenz ein zentraler Stellenwert zu. Durch die Entwicklung auf dem Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien sind neue Berufsbilder entstanden, veränderte Arbeitsabläufe haben sich ergeben und die Beschäftigten sind gefordert, neue Arbeitsmittel einzusetzen. Zudem entstehen durch die Möglichkeiten der Vernetzung in zunehmendem Maße Telearbeitsplätze. Auch für die berufliche Weiterbildung ist zu erwarten, daß zunehmend Neue Medien eingesetzt werden. Hierauf müssen die Schülerinnen und Schüler vorbereitet werden, um den Anforderungen, die in diesem Bereich nach Abschluß ihrer Ausbildung auf sie zu kommen werden, gewachsen zu sein.

Historische Entwicklung

Die Euphorie und hohen Erwartungen an Computer und Multimedia als revolutionäre und revolutionierende Neuerungen und Problemlösungen lassen sich, als Phänomen betrachtet, mit den Erwartungen vergleichen, die z.B. an den Programmierten Unterricht in den sechziger Jahren und die Sprachlabore in den siebziger Jahren gerichtet wurden. Diese Betrachtung läßt sich historisch ausweiten auf die Einführung von Schulbüchern, den Ersatz von Schiefertafeln durch Schreibhefte, die Einführung von Lehrfilmen etc. Dabei ergeben sich interessante Parallelen in der Argumentation der Förderer und Skeptiker der jeweiligen Neuerung sowie in der tatsächlichen Umsetzung der Konzepte, die einen thesenhaften Ausblick auf die Zukunft des Computers als Lernmedium stützen können.

Die Verbreitung von Büchern bedeutete einen Quantensprung in der Bildung, weil breiteren Schichten dadurch Bildungsbeteiligung ermöglicht wurde. Damit auch der Einsatz Neuer Medien in Lernprozessen zu einer Verbesserung der Situation möglichst aller Schülerinnen und Schüler und nicht zu Ausgrenzungen und Benachteiligungen von einigen und somit zu einer neuen Splittung führt, sind die öffentlichen Bildungseinrichtungen gefordert, in diesem Bereich verstärkt tätig zu werden.

Erwartungen an die Wirksamkeit des Computereinsatzes

Der Einsatz von Computern beim Lernen ist verknüpft mit Erwartungen auf höheren Lernerfolg, geringeren Zeitaufwand, Motivationssteigerung, Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer sowie eine Individualisierung des Lernens. Als besondere Wirkungen werden selbständiges, aktives, selbsttätiges, individuelles und individualisiertes Lernen, aber auch verstärkte Eamarbeit in "virtuellen Teams", die zeitlich und räumlich flexibel sind, erwartet. Gefördert werden demnach Aktivität, Produktivität, Initiative, Kreativität und Mitbestimmung der Lernenden.

Selbständiges, aktives und individuelles Lernen ist keine neue Dimension, als Neuerung versprochen wird vor allem eine neue Qualität des Lernens, weil sich ein apersonales Medium erstmals an den Nutzer anpassen soll. Als wichtigstes Argument für den Einsatz neuer Lerntechnologien wird die höhere Effektivität des computerunterstützten Lernens gegenüber traditionellen Methoden und Medien genannt. Systematische empirische Untersuchungen vermitteln demgegenüber ein anderes Bild: Während die durchschnittlich benötigte Lernzeit im Vergleich mit anderen Unterrichtsformen abnimmt, führt mediengestütztes Lernen gleichzeitig zu höheren Abbrecherquoten. Die Akzeptanz der Lernenden gegenüber den neuen Lernmedien ist zwar groß, positive Evaluationsergebnisse zum Computerlernen werden jedoch zumindest teilweise auf den Neuigkeitseffekt ("Hawthorne-Effekt") und daraus resultierende höhere Motivation und gesteigerte Leistungsbereitschaft zurückgeführt. Erst aus Langzeitstudien werden sich verläßliche Ergebnisse ziehen lassen.

Literatur zum Thema:

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (Hrsg.):  Das lebenslange Lernen. Grundlagen einer modernen Bildungspolitik. Bonn: BMBF 1996.

Kerres, Michael: Multimediale und Telemediale Lernumgebungen. München 1998

Rein, Antje von: Medienkompetenz als Schlüsselbegriff. Bad Heilbrunn 1996

Schulmeister, Rolf: Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. München 1997



Didaktik, Medien und Lernen

"Multimedia ist sicher auch kein Allheilmittel gegen jede Art von Problemen der Informationsvermittlung oder gegen Mängelzustände im Bildungswesen, es ist aber auch kein Placebo. Multimedia beinhaltet vielmehr eine auf Digitalisierung und Kompression beruhende integrative Medientechnik, die vielfältige Nutzungsmöglichkeiten schafft. Für Informationsvermittlung und Lernen nach dem Grundkonzept des aktiven Wissenserwerbs eignet sich Multimedia –sinnvoll entwickelt und eingesetzt—besonders." (Ludwig J. Issing und Paul Klimsa)

"Multimedia und Telemedien bieten technische Lösungen für neue Formen von Bildungsangeboten. Das öffentliche Interesse, das diesen Medien entgegengebracht wird, ist groß, und ebenso groß sind die Hoffnungen und Erwartungen, die mit diesen Techniken im Bildungsbereich verknüpft werden. Ein Rückblick in die Geschichte der Mediendidaktik mahnt jedoch zu einer gewissen Skepsis gegenüber überzogenen Erwartungen: Die Einführung bislang jeder "neuen" Medientechnik ist mit dem Versprechen von Bildungsinnovationen oder gar –revolutionen im Bildungsbereich einher gegangen, die in den überwiegenden Fällen nach einer gewissen Phase euphorischer Erprobung erschüttert wurden." (Michael Kerres)


Didaktik und Medien

Die Bedeutung von Medien wird in den verschiedenen didaktischen Konzepten unterschiedlich gewertet. Paul Heimann war der erste, der die Frage der Medien im Unterricht nicht als zweitrangig angesehen und damit auch Kritik an Klafkis "Primat der Didaktik" geübt hat. Innerhalb der Erziehungswissenschaft wurde dadurch ein Umdenken bewirkt, das sich u.a. in der These von der Interdependenz der unterrichtsstrukturellen Momente (Intentionalität, Thematik, Unterrichtsmethodik und Medienwahl) ausdrückt.

Nach Anzahl und Verknüpfung der am Lernprozeß beteiligten Medien können bezüglich ihres Einsatzes - in Anlehnung an Döring - vier Typen unterschieden werden. Diese Unterscheidung ist vor allem aus praktischer Sicht im Rahmen der Unterrichtsplanung interessant:

Einzelmedien zur Unterstützung der Lehr-/Lernsituation des direkten Unterrichts

Geschlossene monomediale (vorbestimmter Lernweg) Lehr-Lernsysteme, die auf einem spezifischen Trägermedium basieren

Komplexe multimediale Lehr-Lernsysteme in offener (selbstbestimmter Lernweg) oder geschlossener Form (vorbestimmter Lernweg) für den Langzeiteinsatz im Rahmen der Angebote unterschiedlicher Bildungseinrichtungen

Neue Medien und Telekommunikationssysteme für den Langzeiteinsatz innerhalb einer Bildungseinrichtung als auch für das Selbststudium (Telelearning)

Im Vergleich zum Einsatz traditioneller Medien ergeben sich bei Neuen Medien besondere methodisch-didaktische Fragestellungen. Der Wechsel zwischen verschiedenen medialen Grundformen wird vereinfacht und verspricht, Interaktivität und Veranschaulichung zu verbessern. Zusätzlich ergibt sich häufig eine erhöhte Motivation, Lernort und Lernzeit werden individualisiert. Die Neuen Medien eignen sich daher sowohl für den Einsatz in Bildungseinrichtungen als auch für eigenständiges und selbstgesteuertes Lernen.

Bei der Beurteilung Neuer Medien stellen sich grundsätzliche Fragen, die unter anderem die didaktische Qualität der Medien, die spezifische notwendige Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer, die methodische Vorgehensweise, die geeigneten Rahmenbedingungen sowie das jeweils erforderliche Sozial- und Lehr-/Lernklima betreffen.

Für die Gestaltung und den Einsatz Neuer Medien im Unterricht stellt Döring folgende Forderungen auf: Die exemplarische Stoffauswahl muß fachdidaktisch begründet erfolgen, auch der computerunterstützte Unterricht muß didaktisch-methodisch ausgearbeitet werden, Begleitmaterialien sollen durchgängig erstellt werden und Wechsel zwischen interaktiven programmgesteuerten Lernphasen und direkten Lernphasen bei der Planung Berücksichtigung finden.

Die Vorteile des multimedial gestützten Unterrichts liegen beispielsweise in der Objektivierung durch personenunabhängige Vermittlung von Lerninhalten und durch Transparenz der Lernziele und Lernmethoden. Die zeitlich und örtlich unbegrenzte Zugriffsmöglichkeit und die Anpassung an die individuelle Lernleistung und das individuelle Lerntempo ermöglichen eine Individualisierung der Lernprozesse.

Lernen mit Neuen Medien

Beobachtungen zeigen, daß Lernen mit dem Computer nicht als lästige Arbeit empfunden wird, was dazu führt, daß Schülerinnen und Schüler beim Lernen motivierter und ausdauernder sind. Der Grund hierfür liegt in der Interaktivität und dem Aufforderungcharakter von Lernprogrammen. Weitere Gründe für eine starke Motivation beim Computerlernen sind beispielsweise, daß sich die Schülerinnen und Schüler bei Falschantworten nicht blamiert fühlen und ein unmittelbares und sachliches Feedback bekommen. Lernen am Computer ermöglicht individuelles und selbstbestimmtes Lernen bezogen auf den Lernweg, das Lerntempo und die Erfolgskontrolle. Dadurch, daß die Schülerinnen und Schüler die Neuen Medien im Unterricht nutzen können, wird das Lernen als angenehm und zeitgemäß empfunden und führt zu einer Stärkung des Selbstwertgefühls. Gleichzeitig besteht allerdings die Gefahr, daß das Lernen mit Neuen Medien als Unterhaltung im Sinne von Edutainment und Infotainment mißverstanden wird.

Das Lernen ist weitgehend losgelöst vom gewohnten Unterrichtsverhalten. Schülerinnen und Schüler die mit dem Computer lernen empfinden Unterbrechungen und Pausen oft als störend und sind beim Lernen eher angespannt. Schwierigkeiten beim multimedialen Lernen zeigen sich heute noch darin, daß Lernprogramme sich am Durchschnittsschüler orientieren und sich nur z. T. den individuellen Lenbedürfnissen des einzelnen Schülers anpassen. Die begrenzte Fähigkeit der Programme, Schülerantworten zu analysieren, führt dann zu Unsicherheiten, wenn sinngemäß richtige Antworten vom Programm nicht akzeptiert werden. Die Behebung dieser Nachteile ist dringend notwendig, da Individualisierung und Selbststeuerung als besonderer Vorteil des multimedialen Lernens betrachtet werden. Das Ziel, lebenslanges Lernen mittels Lernsoftware besonders wirkungsvoll zu verwirklichen, setzt einen hohen Qualitätsstandard der Software voraus.

Um kognitive Lernziele beim Lernen am Computer erfolgreich vermitteln zu können, muß Lernsoftware Mindeststandards im Hinblick auf die Lauffähigkeit auf einfachen Rechnern und Netzwerken, Navigation (Bedienbarkeit, Programmübersicht und Menüsteuerung), Hilfemöglichkeiten, Layout und Interaktionsleistungen aufweisen. Qualität von Lernsoftware ist in erster Linie eine Frage des lernpsychologisch und didaktisch Sinnvollen und nicht des programmtechnisch Machbaren.

Schülerinnen und Schüler, die mit dem Computer lernen, sind häufig derart gefesselt, daß sie jegliche Pausen vergessen: Einerseits ein durchaus erstrebenswerter Zustand, jedoch birgt darin auch die Gefahr, daß Konzentration und Leistungsfähigkeit stark nachlassen und die Aktivitäten so eher unproduktiv werden. Weiterhin besteht die Gefahr, daß Schüler, die mit dem Computer lernen, undifferenzierte, realitätsfremde Vorstellungen über das eigene Lernverhalten entwickeln. Einerseits bedürfen sie deshalb der Hilfe und des Ratschlags eines erfahrenen Lehrers, andererseits lassen sie sich ungern beim Lernen über die Schulter blicken und sie bevorzugen es, ihre Lernleistungen vor Lehrer und Eltern nicht offen zu legen. Ähnliche Wirkungen haben Rückmeldungen des Programms, die die Leistungen nur tadelnd oder ironisch beurteilen.

Von zentraler Bedeutung ist die Art der Einbindung multimedialer Lehr-/Lernarrangements in den Unterricht. Die rasant voranschreitende Entwicklung auf dem Markt der neuen Medien macht ein Nachdenken über die zweckmäßige Nutzung erforderlich, um zu verhindern, daß die Technologieentwicklung die didaktisch-inhaltliche Entwicklung überrollt. Eine technisch orientierte Debatte wird der Problematik nicht gerecht, vielmehr kommt es auf eine umfassende Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Computern und pädagogischer Software in der Schule und vor allem auf eine sinnvolle Integration in Lernumgebungen und Unterrichtssituationen an.

Nicht die Technik stellt Anforderungen an Schule und somit auch an Didaktik und Methodik, sondern umgekehrt: umzusetzen ist das didaktisch Sinnvolle und nicht das technisch Mögliche, wobei es durchaus positiv zu werten ist, wenn die Diskussion um den Einsatz Neuer Medien in der Schule gleichzeitig die Auseinandersetzung um Ziele und Aufgaben von Schule bewirkt. Die häufig vorgebrachte Befürchtung, durch nicht augenblickliches Handeln den Anschluß zu verpassen, sollte nicht als Begründung dafür herhalten, den Einsatz Neuer Medien zu forcieren, ohne vorher ein umfassendes Konzept hierfür entwickelt zu haben. Daher ist auch in der Lehrerausbildung und –fortbildung ist eine Auseinandersetzung mit den Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien unerläßlich.

Literatur zum Thema:

Baumgartner, Peter und Sabine Payr: Lernen mit Software. Innsbruck 1994

Döring, Klaus W. und Klaus D. Ziep: Mediendidaktik in der Weiterbildung. Weinheim 1989

Gudjons, Herbert u.a. (Hrsg.): Didaktische Theorien. Hamburg 1995

Issing, Ludwig und Paul Klimsa: Information und Lernen mit Multimedia. Weinheim 1997

Klimsa, Paul: Neue Medien und Weiterbildung. Weinheim 1993