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SEMIK

Aus der Arbeit des Landesinstituts
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Kooperatives Lernen und Arbeiten von Lehrern und Schülern unter Einsatz moderner Kommunikationstechnologien

Semik-Teilprojekt Baden-Württemberg

im Rahmen des BLK-Projekts "Systematische Einbeziehung von Medien, Informations- und Kommunikationstechnologien in Lehr- und Lernprozesse" (SEMIK)

 

I. Zum Stand der Entwicklung und zur Problemlage

Im Hinblick auf den Einsatz des Computers in der Schule lassen sich seit vielen Jahren unterschiedliche und mehr oder weniger fruchtbare Ansätze in den einzelnen Bundesländern beobachten. Im Vordergrund stand zunächst die Schaffung der sächlichen und personellen Voraussetzungen. Mit "Schulen ans Netz" und "Medienoffensive Schule" in Baden-Württemberg wurden Schulen technologisch in die Lage versetzt, beantragte Projekte durchführen zu können, mit flächendeckenden Schulungsmaßnahmen ("Multimediaberater") werden Tausende von Kolleginnen und Kollegen befähigt, die Technologie einzusetzen.

In der ersten Euphorie, in der Begeisterung über das neue Medium "Computer" wurde jedoch viel experimentiert, oft ohne auf sinnvolle Inhalte und Ziele zu achten. Häufig wurde der falsche Weg beschritten, wurde vom Gerät her gedacht, von der technischen Machbarkeit, stand die bloße Nutzung von Software im Vordergrund. Diese Blickrichtung muss umgekehrt werden. Das Gerät ist ein Knecht, die Technik hat dienende Funktion, die Schwierigkeiten sind zu minimieren, Software ist nicht um ihrer selbst willen da und nur im Zusammenhang mit der ITG Unterrichtsgegenstand. Auszugehen ist im klassischen Sinn von Lernzielen und Lerninhalten und von der Frage, was Hard- und Software für Inhalte und Ziele leisten, vor allem aber, wo ihr Einsatz geeigneter, motivierender, überzeugender ist, wo er learning by doing fördert, wo er Inhalte handhabbar und Sachverhalte begreifbar macht. Zu untersuchen ist, in welchen Bereichen der Computer Eigenverantwortung fördert, Konzentration unterstützt, Kreativität freisetzt, Recherche- und Informationsmöglichkeiten sinnvoll erweitert, zu Kommunikation und Interaktion anregt, Gedanken und Teilaspekte verknüpft, Strukturieren und Ordnen erleichtert, Ausdrucks- und Gestaltungsvermögen ausbildet, Energie umsetzt und verstärkt statt verbraucht. Zu analysieren ist, wann und wo er in sinnvollem Rahmen den engen schulischen Raum über die Klasse, die Jahrgangsstufe, das eigene Schulgebäude hinaus ausweitet in die Arbeitswelt, den Bereich von Politik und Wirtschaft, wie er partnerschaftliches Arbeiten mit anderen Schulen und Schularten und anderen Ländern in und außerhalb Europas ermöglichen kann und ob er dadurch vielleicht den Gedanken des Miteinander und der gemeinsamen einen Welt zu fördern und kleinräumiges Denken zu korrigieren vermag.

Solche Fragestellungen lassen sich aber nicht von den technischen Möglichkeiten her beantworten, sie sind an konkreten Lernzielen und Lerninhalten mit sinnvoller Einbindung neuer technischer Möglichkeiten praktisch anzugehen, wobei grundsätzlich immer abzuwägen ist, ob der Einsatz des Computers gegenüber herkömmlichen traditionellen Methoden die bessere Wahl ist, zumindest aber als gleichwertige Alternative gerechtfertigt ist. Eine rein extrinsische Motivation ist dabei eher kritisch zu betrachten, da sich das Neuartige ebenso abnutzen wird wie ältere Techniken der Vermittlung von Wissen. Auch hier wird man eher an den Reiz der mit der neuen Technik vielleicht eleganter zu bewältigenden inhaltlichen Fragestellung denken müssen oder an den klassischen Reiz des durch Lernziele sinnvoll fundamentierten Methodenwechsels.

Aus einem solchen konzeptionellen Ansatz, der von Lernzielen, von Inhalten, von der in traditionelles Arbeiten überlegt integrierten neuen technischen Möglichkeiten ausgeht, wird sich schrittweise auch die Rolle des Lehrers verändern, ohne dass sie sich schlagartig ändern muss. Die Lehrenden müssen wie die Schüler durch praktisches Arbeiten erkennen, wo eigene Konzepte und Methoden und traditionell Bewährtes an neue Voraussetzungen und Gegebenheiten behutsam angepasst werden müssen, wo das Neue dem herkömmlichen überlegen ist und wo es nicht überzeugt, nur weil es modern ist. Der Lehrer muss sich also in die Rolle des Lernenden einfühlen, muss das, was ihm an Wissen und Können zur Verfügung steht, aus einer veränderten Perspektive betrachten, bewerten und wenn nötig modifizieren und anpassen. Dabei werden Lehrende und Lernende grundsätzlich zu Partnern, die ihren jeweiligen Wissensvorsprung in kooperative Arbeitsformen einbringen. Nicht selten wird nämlich der Fall eintreten, dass Schüler computertechnische Lösungsmöglichkeiten vorschlagen, die manchem Lehrer aufgrund seines technisches Vorwissens Schwierigkeiten bereiten dürften. Dieses Problem ist aber nicht dadurch zu lösen, dass man Lehrerinnen und Lehrern die Bewältigung aller möglichen mit Hard- und Software verknüpften Schwierigkeiten beibringt, sondern sie in die Lage versetzt, mit diesen Schülern zu kooperieren, d.h. von der eigenen inhaltlichen Zielvorstellung ausgehend eine wünschbare und sinnvolle technische Machbarkeit abzuwägen. Der inhaltsorientierte Ansatz und die Frage nach der zielorientierten Lösung befreit den Lehrer zusätzlich von der müßigen Frage nach der besseren oder schlechteren Software, indem ausschließlich danach gefragt wird, welcher Weg oder welche Konzeption ein überzeugenderes Ergebnis liefert. Er braucht sich also nicht in vielen Programmen auszukennen, wenn er sinnvolle Alternativen mit Schülern entwickeln will. Sein Ansatz liegt - ganz traditionell - in einem Vorschlag, der nicht der "beste" zu sein braucht; die Leistung der Schüler liegt in ihren überzeugenden inhaltlichen Ergebnissen, die sich durchaus auf ein Mehr an technischem Know How stützen dürfen.

Lehrerinnen und Lehrer sind dort abzuholen, wo sie im traditionellen Unterricht gelegentlich Schwierigkeiten bei der Umsetzung ihrer Ziele hatten, Wünsche bei der Machbarkeit nicht zu realisieren waren und offene Fragen an eine bessere methodische und didaktische Konzeption bestanden. Von solchen Desideraten ausgehend und orientiert an Inhalten und methodischen Konzepten sind Lehrerinnen und Lehrer in eine den Schülern vergleichbare Lernsituation zu versetzen, in der sie selbstständig den Wert bzw. Unwert des Arbeitens mit dem Computer erfassen. Ausgehend von ihrer zunächst gesicherten Wissensbasis sollen sie sich auf technisches, methodisches Neuland wagen und sich erst dann Gedanken darüber machen, was Computer und Software für ihre lernzielorientierte inhaltliche Arbeit am konkreten Thema für die Analyse, Aufbereitung und Präsentation leisten. Dass damit unweigerlich Fragen wie die nach der veränderten und problematischen Art der Informationsbeschaffung, nach der eleganten äußeren Form und dem möglicherweise dürftigen Inhalt, der Wissensüberflutung, dem gezielten Suchen und der Informationsüberprüfung von allein auftauchen - das sind wünschenswerte Nebeneffekte. Dass die Reduktion auf das sinnvoll Machbare zentraler Aspekt wird, ist auch im traditionellen Unterricht ein zentrales Thema. Die Lehrerrolle wird sich also in dieser Hinsicht überhaupt nicht ändern; sie wird darin bestehen, mit den Schülern neue technische Möglichkeiten praktisch auszuprobieren, und sie an dem zu messen, was sie überzeugend leisten. Die methodische Arbeit mit digitalen Medien bedarf der medienbedienbezogenen Reflexion des Handelns, der Möglichkeiten und ihrer Wirkungen, um daraus anschlussfähige Erfahrungen und Kompetenzen über die benutzten Medien zu gewinnen.

Auch mit Computerprogrammen leisten Lehrer und Schüler nicht mehr als im traditionellen Sinn: Denken und kreatives Gestalten nimmt ihnen die Maschine nicht ab. Sie ermöglicht und erleichtert einiges, vor allem im Bereich der Aufbereitung von Wissen und in der Präsentation.

II. Beschreibung des Modellversuchs

Voraussetzungen:

Dieser Modellversuch stützt sich auf einen Webserver, der im Laufe der Projektentwicklung auf- und ausgebaut werden muss. Dieser Server dient dem Austausch von Informationen, der Dokumentation und Präsentation der Projekte und der Aufnahme aller erarbeiteten Materialien; er ist Träger einer neuen dynamischen Struktur, die die Gestaltung individueller Lernumgebungen ermöglicht und fördert.

Es ist dabei anzumerken, dass die Inhalte dieses Webserver von allen Projektteilnehmern, einschließlich der Schüler eingebracht werden. Obwohl Datenbankfunktionen den Zugang zu den Informationen erleichtern werden und die Anzeige dynamisch generiert wird, soll das eingesetzte System einfach zu bedienen sein, so dass die Projektteilnehmer den Schwerpunkt ihrer Arbeit in der fachlichen Auseinandersetzung mit den Inhalten setzen können.

Zumindest in der Erprobungsphase ist zu empfehlen, diesen Server physikalisch vom bestehenden Bildungsserver zu trennen.

Es wird eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten, öffentlichen Bildungseinrichtungen, Fortbildungsakademien, Verlagen und anderen Unternehmen angestrebt.

Grundüberlegungen:

Der Modellversuch "Kooperatives Lernen" stützt sich auf folgende Grundsätze:

  • Sinnvolle Integration des Computers in traditionelle Lehr- und Lernformen
  • Priorität der Inhalte vor der Technik
  • Minimalisierung technischer Schwierigkeiten
  • Entwicklung und Test einer dynamischen Lernumgebung, die als Ziele hat:
  • Schaffung eines flexiblen Ordnungssystems mit dynamischen Strukturen, das sich jederzeit an veränderte Gegebenheiten anpasst bzw. anpassen lässt.
  • Dieses System wird in zwei Varianten entwickelt:
  • Online-Variante, die über das WWW gesteuert wird
  • Offline-Variante als Intranet-Version

Das System gibt dem Lehrer einen "Modulbaukasten" an die Hand, der intuitiv und menügeführt eine flexible Struktur zur Verfügung stellt. Man muss sich nicht um die technischen Details im Hintergrund kümmern und behält den Kopf frei für die inhaltliche Konzeption.

  • Der Lehrer stellt sich seine auf den jeweiligen Inhalt ausgerichtete Datenstrukturen zusammen. (Generierung einer Datenstruktur)
  • Er wählt eine dem Thema angepasste Präsentationsform. (Generierung einer Präsentationsstruktur)
  • Er vergibt an Projektbeteiligte abgestufte Zugriffsrechte auf die Daten der Struktur. (Generierung einer Verwaltungsstruktur)
  • Daten jeglicher Art können mittels intelligenter Maskentechnik sofort nach Erstellung der Struktur in diese eingefügt werden. (Handhabung der Datenstruktur)
  • Mit Hilfe verschiedener Abfragemasken, die sich an unterschiedlichen Zielen orientieren, können sie auf vielfältige Art und Weise genutzt werden. (Generierung von Abfragestrukturen)
  • Verknüpft werden die Informationen über dynamische "Hyperlinks", deren Struktur vom Anwender selbst bestimmt wird und die leicht zu pflegen sind, da sie – obwohl mehrfach verwendet - nur an einer Stelle des Systems vermerkt werden, so dass sich eine Änderung auf alle Verwendungszusammenhänge des "Hyperlinks" auswirkt. (Generierung dynamischer Linkstrukturen)
  • Das System steuert die vom Lehrer strukturierte Präsentation.
  • Die Struktur verbindet eine begleitende Dokumentation und deren Verknüpfungen mit der Präsentation.
  • Das dynamische System ermöglicht neben der Vernetzung und Strukturierung von Informationen eine weltweite Zusammenarbeit von Gruppen
  • in einem geschlossenen System (nur durch Passworte zugänglich)
  • in einem halboffenen System (teils durch Passworte gesteuert, teil frei zugänglich)
  • Von seiner Konzeption her ist dieses dynamische System an beliebige Inhalte und Zielvorstellungen anpassbar, da es auf dem Prinzip von multiplizierbaren und manipulierbaren leeren "Projekten" beruht, die sich an inhaltlichen Bedürfnissen ausrichten und frei komponiert werden können.
  • Das dynamische System verknüpft Qualifikation der Lehrkräfte, Inhalte und Hintergrundinformationen mit der praktischen Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an Schulen.
  • Es ermöglicht neue Formen der Selbstqualifikation in Kombination mit Vernetzung weiterer Lehrender, Lernender und Experten.

Das vorgesehene technische System  wurde bereits in verschiedenen Projekten eingesetzt:

III Vorgehen:

Phase I:

Schaffung der grundlegenden technischen Funktionalitäten des Webservers.

Phase II:

Es werden Lehrerinnen und Lehrer gesucht, die im Laufe des Schuljahres 1999/2000 abgestimmte fächerverbindende und schulübergreifende Projekte durchführen werden, die konsequent das neue Medium einsetzen.

Die einzelnen Gruppen bedienen sich der oben beschriebenen Strukturen, die ihnen der Webserver zur Verfügung stellt. Die Lehrerinnen und Lehrer werden in einer Fortbildungsmaßnahme vorbereitet. Sie führen zu einem festgesetzten Zeitpunkt mit ihren Klassen je ein auf der Fortbildungsveranstaltung erarbeitetes Projekt durch. Die Erfahrungen werden in Form von Protokollen, Unterrichtsmaterialien, Dokumentationen etc. dem "Infopool", der zu diesem Zweck auf dem Server aufgebaut wird, hinzugefügt.

NEU: Als Projekt wird das fächerübergreifende Thema "Epochen" bearbeitet. Die Ergebnisse sind hier zu erreichen.

Phase III:

Die Projektmitglieder bereiten schulinterne bzw. schulnahe Fortbildungen vor und führen diese auch durch. Multipliziert werden sowohl die Inhalte als auch die Methoden. Die Konzeption der dezentralen Veranstaltungen wird inhaltlich und organisatorisch gemeinsam in Kleingruppen mit Hilfe des Internet entwickelt und abgestimmt.

Phase IV:

Diese Phase dient in erster Linie der Evaluation. Auf Veranstaltung und über das Internet sollen in themenorientierten Arbeitsgruppen Erfahrungen ausgetauscht, Dokumentationen und Ergebnisse bewertet und die Konzeption fortentwickelt werden. Die Ergebnisse werden in einem Abschlussbericht festgehalten.

Darüber hinaus wäre es wünschenswert, in dieser letzten Phase Schulen oder einzelne Lehrer der Partnerländer einzubeziehen und zu testen, inwieweit es das auf dem Server entwickelte System ermöglicht, eine virtuelle Lehrerfortbildung über das Internet durchzuführen und das Modellprojekt bundesweit zu multiplizieren.

IV Projektleiter

Willi Fergen

Fortbildner Deutsch und moderne Medien; Copernicus-Gymnasium Philippsburg

Klemens Thamm

Fachberater am Oberschulamt Stuttgart, Fortbildner Deutsch und moderne Medien; Albertus-Magnus-Gymnasium Ettlingen

 

V Ergebnisse

zu den Projektseiten

zum Abschlussbericht