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"Frühförderung von behinderten Kindern ausgebaut - Alle Abschlüsse über sonderpädagogische Förderung möglich "

Bestandsaufnahme der sonderpädagogischen Förderung in Baden-Württemberg vorgestellt

"Zum ersten Mal liegt eine umfassende datenbasierte Bestandsaufnahme der sonderpädagogischen Förderung in Baden-Württemberg vor. Deutlich wird die große Breite an Unterstützungsfeldern und Maßnahmen, in denen sonderpädagogische Lehrkräfte derzeit tätig sind – von der Frühförderung von Kindern im Vorschulalter, der pädagogischen Beratung und Unterstützung der Eltern von Kindern mit Auffälligkeiten in ihrer Entwicklung über die Sonderpädagogischen Dienste an allgemeinen Schulen bis zur Vergabe von Ausbildungsabschlüssen“. Dies sagten die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, und die Direktorin des Landesinstituts für Schulentwicklung, Prof. Suzan Bacher, bei der Vorstellung des Themenhefts „Sonderpädagogische Förderung in Baden-Württemberg“ am Montag, 4. Mai 2009, in Stuttgart. Die beiden Institutionen hatten bereits 2007 die erste Bildungsberichterstattung für Baden-Württemberg gemeinsam erstellt. In Themenheften werden zusätzlich Übersichten zu ausgewählten Schwerpunktbereichen im Bildungswesen veröffentlicht. 

 

„Die frühe Förderung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf wurde stark ausgebaut. An den Sonderpädagogischen Beratungsstellen hat sich die Zahl der geförderten Kinder zwischen den Schuljahren 2000/01 und 2006/07 um rund 11 Prozent auf 40 448 erhöht. Davon nahm jedes zweite Kind die Leistungen einer Beratungsstelle mit dem Förderschwerpunkt Sprachbehinderung in Anspruch“, so die Direktorin des Landesinstituts, Frau Bacher. 

 

Die Schülerzahlen an Sonderschulen nehmen tendenziell ab: Nach dem Höchststand im Jahr 1976 mit 66 553 Schülerinnen und Schülern war ein Rückgang auf rund 42 000 Ende der 1980er-Jahre zu verzeichnen. Anschließend stiegen die Schülerzahlen an, bis sie 2003 die Marke von 55 000 überschritten. Seitdem ist wieder ein Rückgang auf nunmehr 54 169 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2007/08 festzustellen. Der Anteil der Schüler an Sonderschulen an der Gesamtzahl der Schüler an allgemein bildenden Schulen ist seit 1990 mit rund 4 Prozent relativ konstant geblieben.

 

Die Zusammensetzung der Schülerschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Insbesondere an den Förderschulen sind die Schülerzahlen deutlich rückläufig. "Mitte der 1970er-Jahre wurden noch drei Viertel aller Schüler an Sonderschulen an Förderschulen unterrichtet. Gegenwärtig sind nur noch rund 43 Prozent an diesem Schultyp anzutreffen", so Bacher. Auch der Anteil der Rückschulungen von Förderschulen an allgemeine Schulen erhöhte sich. Lag er – gemessen am Anteil an der Gesamtzahl der Schüler an Förderschulen – im Schuljahr 2000/01 bei 3,1 Prozent, betrug er im Schuljahr 2007/08 4,9 Prozent. „Sonderschulen sind auch Durchgangsstationen auf dem Weg zu allgemeinen Schulen“, so Bacher weiter. "Bei den weiterführenden Schularten sind insgesamt mehr Schüler von den Sonderschulen auf die allgemeine Schule gewechselt als umgekehrt." Auffällig ist der überproportionale Anteil der Schüler an Sonderschulen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. „Mit 22 Prozent wird der im Vergleich zu allgemeinen Schulen doppelt so hohe Anteil von ausländischen Schülerinnen und Schülern an Sonderschulen deutlich“, fügte Bacher an. An den Förderschulen ist deren Anteil mit über 30 Prozent fast dreimal so hoch wie an den allgemeinen Schulen.

 

Immer häufiger werden Formen des gemeinsamen Unterrichts behinderter und nichtbehinderter Kinder eingerichtet. So hat sich die Anzahl der Außenklassen von Sonderschulen an allgemeinen Schulen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich erhöht. Im Schuljahr 2007/08 wurde mit 273 Klassen aus 110 Sonderschulen der bisherige Höchststand erreicht.

 

Vermehrt werden Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird, an den allgemeinen Schulen unterrichtet. "Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die an allgemeinen Schulen unterrichtet werden, stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Mitte der 1990er Jahre wurden noch etwa 15 000 Schüler mit Unterstützung der Sonderpädagogischen Dienste an allgemeinen Schulen gefördert. Diese Zahl wuchs bis zum Schuljahr 2007/08 um rund 40 Prozent auf fast 22 000. Im letzten Schuljahr wurde rund jedes vierte Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf an einer allgemeinen Schule unterrichtet",  so die Direktorin des Landesinstituts. 

Sofern die individuellen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler dies zulassen, können an den Sonderschulen - abhängig vom Schultyp - alle Abschlussarten bis zur Hochschulreife erworben werden. In den Förderschulen erreichte jeder zehnte Abgänger einen Hauptschulabschluss. Dabei ist zu bedenken, dass ein Teil der Schüler an Förderschulen bereits vor Erreichen der letzten Klassenstufe wieder zurück an eine allgemeine Schule wechselt", hob Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamts hervor. An den beruflichen Sonderschulen erwarben 2007 rund 1 380 Absolventen zusätzlich einen allgemein bildenden Abschluss. Mit 94 Prozent erreichte die deutliche Mehrheit den Hauptschulabschluss, 6 Prozent konnten die Sonderberufsfachschulen zum Erwerb der Fachschulreife erfolgreich abschließen und damit einen mittleren Bildungsabschluss erwerben.

 

Grundsätzlich stehen Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im beruflichen Schulsystem die gleichen Möglichkeiten wie allen anderen Jugendlichen offen, sofern sie die entsprechenden Eingangsvoraussetzungen erfüllen. Ist aufgrund einer Behinderung oder Benachteiligung die Teilnahme an einem Bildungsgang mit sonderpädagogischer Förderung notwendig, stehen je nach Förderbedarf spezielle Angebote der Berufsvorbereitung, der beruflichen Grund- und Ausbildung und des Erwerbs höher qualifizierender Abschlüsse an den beruflichen Sonderschulen zur Verfügung. So können an Sonderberufsschulen Ausbildungsgänge in anerkannten Berufen oder spezielle Ausbildungen mit verminderten theoretischen Anforderungen absolviert werden.

Im Schuljahr 2007/08 wurden an den beruflichen Sonderschulen des Landes insgesamt knapp 10 000 Schüler unterrichtet. Zur Jahrtausendwende waren es noch rund 7 300 Teilnehmer. Rund ein Drittel der Jugendlichen sind junge Frauen, der Ausländeranteil beträgt 20 Prozent und liegt damit ebenfalls deutlich über dem Gesamtdurchschnitt der beruflichen Schulen. 

Auch im nicht zu den beruflichen Sonderschulen zählenden Berufsvorbereitungsjahr gibt es Ausrichtungen, die sich an den spezifischen Bedürfnissen von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf orientieren. Dazu zählen das einjährige Berufsvorbereitungsjahr für Schüler mit Lern- und Leistungsproblemen und die zweijährige Kooperationsklasse Förderschule-Berufsvorbereitungsjahr (BVJ-KF). Hier arbeiten Förderschulen eng mit benachbarten Berufsschulen zusammen. In diesen beiden Bildungsgängen wurden im Schuljahr 2007/08 knapp 1 700 Jugendliche unterrichtet. Somit erhielten gut 11 600 Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen Unterricht mit spezifischer sonderpädagogischer Förderung. „Dies entspricht einem Anteil von 2,7 Prozent an der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler beruflicher Schulen von knapp 426 900“, erläuterte Brenner.

 

Seit Anfang der 1970er-Jahre hat sich die Anzahl der hauptberuflichen Lehrkräfte an öffentlichen Sonderschulen von knapp 3 000 auf nunmehr über 8 500 Lehrerinnen und Lehrer fast verdreifacht. Durchschnittlich unterrichten Sonderschullehrkräfte 8,3 Schüler in einer Klasse. Dabei unterscheiden sich die Klassengrößen zwischen den einzelnen Schultypen. Die Schulen für Blinde, die Schulen für Geistigbehinderte und die Schulen für Körperbehinderte liegen mit Durchschnittswerten zwischen 5,6 und 6,3 Schülern pro Klasse deutlich unter dem Mittel aller Sonderschulen. Die Förderschulklassen sind mit etwa 10 Schülern vergleichsweise groß, erreichen damit aber z.B. im Vergleich mit Grundschulklassen der allgemeinen Schulen noch nicht einmal die Hälfte deren Klassenstärke. 

Sonderschullehrkräfte sind auch in der Frühförderung an den Sonderpädagogischen Beratungsstellen und den Sonderpädagogischen Diensten an den allgemeinen Schulen tätig. Dafür wird ein Teil der den Sonderschulen zur Verfügung stehenden Lehrerwochenstunden eingesetzt. Damit ist sichergestellt, dass diese wichtigen Aufgaben von hochqualifizierten Fachkräften durchgeführt werden und auf einem hohen fachlichen Niveau erfolgen.

 

Das Themenheft „Sonderpädagogische Förderung“ ist über das Landesinstitut für Schulentwicklung zu beziehen. Es ist auch als pdf-Datei auf der Internetseite  www.bildungsberichterstattung-bw.de verfügbar.

 

Aufbau des Themenheftes „Sonderpädagogische Förderung“

  • Inhalt:
    A. Grundzüge der sonderpädagogischen Förderung
    B. Frühförderung
    C. Sonderpädagogische Förderung an allgemeinen Schulen
    D. Sonderpädagogische Förderung an beruflichen Schulen
    E. Sonderpädagogische Unterstützungssysteme
    F. Lehrkräfte in sonderpädagogischer Förderung
    G. Einrichtungen, Maßnahmen und Projekte der beruflichen Integration
    H. Glossar und Tabellen
  • Bezugsjahr der Daten:
    2008 bzw. Schuljahr 2007/08
  • Datenquellen:
    Amtliche Schulstatistik, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Ministerium für Arbeit und Soziales, Regierungspräsidien, Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen, Landesarbeitsstelle Kooperation, Kommunalverband Jugend und Soziales
  • Datenauswertung:
    Landesinstitut für Schulentwicklung und Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  • Herausgeber:
    Landesinstitut für Schulentwicklung und Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

 

Kontakt

Referat 12 - Koordinierung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen

Melisande Paul

Telefon 0711 6642-105

Telefax 0711 6642-108

E-Mail melisande.paul@ls.kv.bwl.de